fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

410 Direktor Paul Voß: 
wesen — obwohl die einheitliche Behandlung der Messefragen ebenso 
wichtig ist wie die der Zollprobleme und Handelsverträge — heute 
immer noch viel zuwenig Interesse schenken und es ganz und gar 
lokalen Faktoren überlassen, Zum Glück regt sich dafür aufbauende, 
richtungweisende Kritik aus den beteiligten Wirtschaftskreisen selbst 
um so lebhafter, begreiflicherweise, denn das Messewesen ist ja gerade, 
was sein wichtigstes Glied, die Leipziger Messe, betrifft, im Wesen 
eine freie Schöpfung von Handel und Industrie, Bereits im Jahre 1920 
faßte der Vorstand des Ausstellungs- und Messeamtes der Deutschen 
Industrie einen wichtigen Beschluß, des Inhalts, „als allgemeine Messe 
die Leipziger Messe zu fördern, da es im gesamtdeutschen Interesse 
liegt, daß deren vom Ausland vielfach angegriffene Weltstellung durch 
neue Inlandsmessen nicht gefährdet wird‘. Diese Stellungnahme der 
führenden Industriekreise ist in allerletzter Zeit, im November 1924, 
durch eine Entschließung des beim Reichsverband der Deutschen 
Industrie bestehenden Ausschusses für Messe- und Ausstellungsiragen 
nochmals unterstrichen worden, eine Entschließung, die alsbald die 
einstimmige Billigung des Reichsverbandsvorstandes gefunden hat. 
Darin wird gesagt, daß „die Entstehung einer größeren Anzahl von all- 
gemeinen, örtlichen und Fachmessen für die Aussteller eine schwere 
finanzielle Belastung bedeutet, der gegenüber ein entsprechender wirt- 
schaftlicher Erfolg nicht immer vorhanden ist“, Es wird die Ansicht 
ausgesprochen, daß alles getan werden müsse, um das deutsche Messe- 
wesen auf ein solches Maß zurückzuführen, das der Lage und den Be- 
dürfnissen der deutschen Wirtschaft entspreche,. Aus der Entschlie- 
ßung geht sodann hervor, daß dieser maßgeblichste Industriellenverband 
Deutschlands die Allgemeine Leipziger Messe als einzige Messe in 
ihrem Umfange und Bestande unberührt lassen will, während sich die 
übrigen Messen fachlich oder regional beschränken sollen. Insbeson- 
dere wird auch darauf verwiesen, daß die sogenannten „Grenzmessen“ 
keinen Umfang annehmen sollen, der über ihre Bedeutung als Vor- 
posten gegenüber dem benachbarten Auslande hinausgeht, Diese Ent- 
schließung ist eine Folge davon, daß die deutsche Industrie und der 
Großhandel durch den Besuch zahlreicher Messen und Ausstellungen 
ungeheuerlich belastet werden, ohne daß dabei für die Aussteller 
nennenswerte Erfolge herauskommen. Es kann nicht verlangt werden, 
daß die Geschäftsleute einen großen Teil des Jahres auf Messen zu- 
bringen, Die hierdurch hervorgerufenen riesigen Geschäftsspesen 
wirken unfehlbar auf die Verkaufspreise ein, Die Vergeudung natio- 
nalen Vermögens durch den Kostenaufwand zahlreicher Splittermessen 
widerspricht dem Prinzip der Zusammenfassung aller Kräfte und der 
rationellsten Ausnutzung unserer finanziell stark begrenzten Werbe-
	        
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