Die Gründer der heutigen Schulen.
A. Die Nichtinterventionisten.
Das Jahr 1848 bedeutet einen Wendepunkt in der Ge
schichte der geistigen und sozialen Strömungen des XIX. Jahr
hunderts. An die Stelle der Sentimentalität und des schwärme
rischen Idealismus des Sturms und Drangs tritt eine ernüchterte
Geistesverfassung, welche für hochherzige, aber kritiklose Zu-
sammenwürfelung von christlichen, liberalen und sozialistischen
Ideen keinen Sinn mehr hat. Zunächst vollzieht sich zwischen
Katholiken und Sozialisten eine reinliche Scheidung. Während
aber letztere aus der 48er Krisis eine soziale Doktrin, ich meine
den sogenannten wissenschaftlichen Sozialismus, herübergerettet
haben, um welchen sie sich sammeln können, bleibt den Katho
liken nichts als das negative Moment der Abwendung von sämt
lichen bisherigen katholischen Sozialtheoretikern.
Es ist nicht zu verwundern, daß unter diesen Umständen
das zweite Kaiserreich zunächst eine Annäherung der doktrinlos
gewordenen katholischen Kreise an die klassische Schule brachte.
Insbesondere Bastiat gewann Anhang im katholischen Lager.
So legen z. B. die Briefe des berühmten Oratorianers P. Gratry
an Frédéric Passy Zeugnis ab von der enthusiastischen Ver
ehrung, welche dieser bedeutende und einflußreiche Ordensmann
Bastiat entgegen brachte. Vollends zum Apologeten der
klassischen Lehre wurde Abbé Corbière 1 ).
Corbière versucht in seinem Lehrbuch nachzuweisen,
daß die klassische Nationalökonomie und die katholische Reli-
i) Corbière, L’Economie Sociale au point de vue chrétien, 2 Bde.
Paris, 1863.