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VII. Reichtum und sein Gebrauch.
denn es beweist, daß unter den unwiderstehlichen Gesetzen der
Entwicklung die menschliche Rasse sich langsam, dafür aber
dauernd in aufsteigender Linie entwickelt. Nehmen Sie die ganze
Welt der Künstler, welche dem Leben Süßigkeit und Licht ver
leihen und unser Dasein verfeinern und schmücken: ganz sicher,
der große Tonsetzer, Maler, Pianist, Jurist, Richter und Staats
mann, mit einem Worte alle die, welche im öffentlichen Leben
stehen, machen sich weniger aus millionenhaftem Reichtum, als
aus dem Rufe, den sie auf ihren besonderen Arbeitsgebieten
genießen. Was machten sich Washington, Franklin, Lincoln oder
Grant und Sherman aus Reichtümern? Was die Richter unseres
obersten Gerichtshofes und selbst die großen Advokaten, die vor
ihnen plädieren, daraus? Die großen Prediger, Ärzte und Lehrer
sehen nicht nach Erwerbung von Reichtum. Der Schatz, nach
welchem sie streben, besteht in dem Rufe, den sie sich durch die
Dienste im Interesse ihrer Mitmenschen erwerben; darin liegt
zweifellos ein Schritt aufwärts über den Millionär hinaus, der bis
ins hohe Alter hinein kämpft, seine alten Tage hindurch, selbst
bis zum Rande des Grabes, augenscheinlich von keinem anderen
Ehrgeiz beseelt, als zu seiner Masse elender Dollars noch andere
hinzuzufügen.
Doch es gibt noch eine vierte Klasse; sie steht höher als alle
vorher genannten; sie gehört weder zu den Anbetern des Reich
tums noch des Ruhmes; dafür kniet sie vor dem Schreine des
öffentlichen Dienstes — des Dienstes für die menschliche Rasse.
Selbstlosigkeit ist ihre Parole. Die Mitglieder dieses engen und
höheren Kreises erstreben nicht Beifall; sie dürsten nicht nach’
Popularität, sondern einzig und allein danach', recht zu tun. Sie
sagen wie Confucius: „Ich frage nichts nach hohen Ämtern, aber
ich sorge dafür, mich jedes hohen Amtes wert zu machen.“ Diese
Klasse wird weder von Armut bedrückt, noch' über die Maßen
von Reichtum erhoben. Derjenige, welcher ihr angehört, strebt
einfach nach Erfüllung seiner täglichen Pflicht in einer Art und
Weise, die ihm selbst zur Ehre gereicht; nichts fürchtet er so sehr,
wie seine Selbstvorwürfe. Ich habe Männer und Frauen gekannt,
von denen die Welt nie etwas erfahren hat, denn diese Klasse
von Leuten erstrebt keine besondere Bedeutung, und doch hatten