Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

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VII.  Reichtum  und  sein  Gebrauch.

Kapital  ist  sein  Werkzeug,  mit  dem  er  Wunder  wirkt  und  noch'
weiteren  Reichtum  erzeugt.  Ich  spreche  von  denjenigen,  die  Millionen ­
  in  zinstragenden  sichern  Anlagen  besitzen  und  bei  sich
halten,  nur,  um  noch  weitere  elende  Dollars  hinzuzufügen.  Dadurch ­
  erst,  daß  man  seinen  überflüssigen  Reichtum  schon  während
seines  Lebens  richtig  anwendet,  wird  großer  Reichtum  für  die
Allgemeinheit  zum  Segen;  auch  wird  auf  diese  Weise  der  Geschäftsmann, ­
  welcher  Reichtum  aufhäuft,  so  hoch  erhoben,  wie  die
Vertreter  der  allervornehmsten  Berufe.  Er  mag  alsdann  seinen
Stand  selbst  neben  dem  des  Arztes,  einem  der  vornehmsten  aller
Berufe  einnehmen,  denn  auch  er  wird  dabei  eine  Art  Arzt,  welcher,
wenn  auch  menschliche  Übel  nicht  zu  heilen,  so  doch  sehr  wohl
ihnen  vorzubeugen  vermag.  Denen,  die  eine  geschäftliche  Laufbahn ­
  einzuschlagen  und  Reichtümer  anzuhäufen  willens  sind,  empfehle ­
  ich  diese  Anschauung.  Die  Grabschrift,  welche  jeder  reiche
Mann  für  sich  selbst  wünschen  sollte,  prangt  auf  dem  Denkmal
Pitts:  „Er  lebte  ohne  jede  Schaustellung  seiner  selbst  und  starb
arm.“  So  sollte  der  Mann  beschaffen  sein,  welchen  zukünftige
Zeiten  ehren  werden;  dagegen  wird  der,  welcher,  nachdem  er
sich  vom  Geschäft  zurückgezogen,  im  Besitze  von  Millionen  ungenutzten ­
  Reichtums  stirbt,  unbeweint,  ungeehrt  und  unbesungen
sterben.
Ich  möchte  alle  jungen  Leute  in  vier  Klassen  teilen:  Zunächst ­
  diejenigen,  welche  für  ihren  Lebensunterhalt  arbeiten  müssen
und  deshalb  den  Vorsatz  haben,  eine  bescheidene  Rente  zu  erwerben ­
  —  selbstverständlich  mit  einem  bescheidenen  und  malersich
gelegenen  Landhäuschen,  sich  zur  Seite  eine  Gefährtin,  die  Sonne
bringt  in  dunklen  Platz  und  der  gute  Engel  seines  Lebens  ist.
Das  Motto  dieser  ersten  Klasse  dürfte  sein:  „Gib  mir  weder
Armut  noch  Reichtum.  Halte  fern  von  uns,  o  Herr,  die  Ängste
der  Armut  und  die  Verantwortlichkeit  des  Reichtums.“
Zweite  Klasse:  Diejenigen,  die  alles  daran  setzen,  reich  zu
werden,  um  später  zu  der  viel  besprochenen  und  ungeheuerlich
geschmähten  Klasse  der  Millionäre  zu  gehören;  also  solche,  welche
darauf  ausgehen,  das  höchste  Gut  in  höchster  Nummer  zu  erreichen; ­
  diese  größte  Nummer  ist  zugleich  Nummer  eins  und  das
Motto  dieser  Klasse  ist  kurz  und  klar:  „Tue  Geld  in  Deinen  Beutel.“
            
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