Hige, SGeburtenrüdgang und Sozialreform
fungen bis zu 29,2 auf je 1000 erhöht.!) Die Kriegsverwaltung hat alles eingefeßt, um
die Ausdehnung der Erkrankungen einzudämmen. Insbefondere ift dafür geforat,
baß alle Gefchlechtsfranken fofort fachärztlicher Behandlung zugeführt und nicht eher
aus ihr entlaffen werden, bis die Anftedungsgefahr, foweit möglich, befeitigt ift. Zu-
glei) ift vorgefehen, daß dıe Fürjorge auch nach Nüdtkehr in die Heimat fi fort
"ebt (fiehe unten „Bekämpfung der Sefchlechtstrankfheiten“).
HILL Neumalthufianismus. — Präventivtechnik
Zhom. Rob. Malthus (17661834), zunächit Pfarrer, dann Profeffor
der Geldhichte und Nationalökonomie in Schottland, hat als erfter in feiner
Schrift: Essay on the Principle of Population (1798) mit Nachdruck auf
die wirtfchaftlichen Gefahren der Bolfzvermehrung hingewiefen. Er itellte
das „Gejes“ auf, daß, während die Bevölterung die Tendenz habe, ich
in geometrijdher Progreijfion (2, 4, 8, 16) zu vermehren, die Steigerung
der Nahrungsmittelproduktion nur arithmetijd (2, 4, 6, 8) erfolge. Der
Ausgleich fei nur durch Not, Elend, Krieg, Proftitution, Kindesmord oder
aber dur) jpäte Chefhließung und Enthaltung ufw. (moral restraint
möglich. Diefe Anjchamumng hat fait in der ganzen nationalöfonomifchen
Wiflenfhaft Aufnahme gefunden und fo eine ftarfe Strömung gegen
eine „proletariidje“ Boltzvermehrung ausgelölt. So kam e3, daß Jelbit
ernite, mohlgefinnte Münner, wie Rümelin, Schönberg u. a., von einer
„unfittliden“ Vermehrung der Kinderzahl insbefondere in unfern Ar-
beiterfamilien redeten, und der bekannte Pbhilofoph Sulius v. Kirchnanı:
Jich Telbit durch die Beftrafung der Amtsentfekung (als Vizepräfident des
Mppellationsgerichts in Ratibor) nicht abhalten ließ, die Belchränkung der
Sinderzahl als den einzig richtigen Weg der Rettung aus Not und Niedrig-
feit zu empfehlen.”) Eine jpeziellere MANusgeftaltung jand diefes Malthusiche
„Bevölterungsgefjeß“ in dem fogenanuten „ehernen Lo Hngefe 8“,
das zuerft von Ricardo aufgeftellt, vor allem von Lafalle agitatorijdh aus-
genußt wurde. Er formulierte e& dahin, daß „der durchjOnittliche Arbeits-
(odn immer auf den notwendigen Lebensunterhalt reduziert bleibt, der
in einem Bolfe gewohnheitsmäßig zur Friltung der Erijtenz und zur Fort-
pflanzung erforderlich it“.
„Dies it der Punkt,“ {o führt er aus, „um melden der wirkliche Tagelohn in Pendel-
[Öwingungen jederzeit herumgravitiert, ohne fich jemal® Jange weder über denfelben
erheben noch unter denfelben herunterfallen zu fönnen.“ Denn im erftern Falle „ent-
fände durch die leichtere, beffere Lage der Arbeiter eine Vermehrung der Arbeiter.
bevölferung und fomit des Angebot? von Händen, welde den Arbeitslohn wieder auf
und unter feinen {rühern Stand hHerabdrüden würde“. Sm zweiten Falle (daß der Lohn
unter ben notwendigen Lebensunterhalt herabfinkt) entftänden Auswanderung, Che-
fofigteit, Enthaltung von $tindererzeugung und endlich eine durch Elend erzeugte
Verminderung der Arbeiterzahl, melde fomit das Angebot von Arbeitshänden ver.
ringerte und den Arbeitslohn wieder zu [einem frühern höhern Stande zurüdbringen
würde,
1 Saufmann 18. " olt 5‘
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