Die Frühromantik.
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Philosophie der Dioskuren würdig fortsetzt. In ihm erwächst
dann, und je mehr die Klarheit überhand nimmt, um so sicherer,
vor allem auch das praktische Leben zu reicher Betätigung:
die assoziativen Triebe erwachen, zuerst auf dem Gebiete der
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jene ungeheure Entwicklung des Genossenschaftslebens, die das
deutsche Leben der zweiten Periode des Subjektivismus kenn⸗
zeichnet, senkt ihre geist- und gemütreichen Keime bis in die
mittleren und die Schlußzeiten der Romantik. Und selbst die
Wissenschaft, insbesondere ihre historischen Zweige, wie nicht
minder die Naturphilosophie ist von der Macht des Gemütes
beherrscht: bis eben auf diesem Gebiete zuerst die Herrschaft
der Verstandesanschauungen Boden gewinnt.
Doch war dies schließlich der Gang der Dinge überhaupt.
Nicht bloß in der Wissenschaft folgten auf Schelling und
Dersted Liebig und Mayer und auf Creuzer und die Gebrüder
Grimm Lachmann und Waitz: ganz allgemein wurde der Hori⸗
zont schärfer und schneidender gezeichnet; und das, was man nun
Mystizismus des Gemütes zu nennen begann, verschwand. Es
sind die Anfangszeiten des Realismus; noch werden sie zunächst
von einem immer trockener werdenden Historismus beherrscht,
der sich später teils archäologisch-antiquarisch umwandelt,
teils, durch die politischen Leidenschaften der Zeit in ein un—
sachliches oder wenigstens unwissenschaftliches Pathos um—
gestaltet, in der politischen Geschichtschreibung erhält; schließ—
lich aber, im Übergang zum Epigonentum der fünfziger bis
fiebziger Jahre, werden sie doch im öffentlichen Interesse durch
den Sieg der Naturwissenschaften abgelöst, und dem po—
pulären Naturalismus der Jahre politischer Reaktion erwächst
in einer nochmaligen Umformung endlich eine der eigenen
Tendenz nach noch realistischere Philosophie des Materialismus.
Da hatte man denn sozusagen die Vollendung der Ent—
wicklung vor sich: an Stelle der spekulativ⸗mystischen Synthese
war erst die Fähigkeit zur Analyse, dann eine raffinierte
Praris dieser Analyse bis zu einer neuen radikal-intellektua—
listischen Synthese getreten — diese als eine Schlußeigenschaft