Walzprodukt braucht also dem‘ Eisen keinerlei
Wärme von außenher mehr zugeführt zu werden.
In erheblich geringerem Maße wird in Deutschland aus
phosphorfreien Erzen, die überwiegend aus Spanien oder
Schweden bezogen werden müssen, auf dem Wege des älteren
Bessemerverfahrens, im Prinzip aber in gleicher Arbeitsweise,
Bessemerstahl hergestellt. Der Prozeß trägt den
Namen seines Erfinders, Sir Henry Bessemer, und unterscheidet
sich vom Thomasprozeß im wesentlichen nur dadurch,
daß die Convertoren mit sauren (überwiegend aus
Kieselsäure bestehenden) feuerfesten Steinen ausgekleidet
werden, und daß bei ihm eine saure kieselsäurehaltige Schlacke
fällt, die eine Verwendung bisher nicht gefunden hat.
Gehen wir in der Betrachtung des Stammbaumes der
Eisenindustrie in derselben Horizontalreihe nach rechts, so
finden wir dargestellt, daß ein weiterer erheblicher Teil des
Roheisens unter dem Namen Stahleisen ‚in anderer chemischer
Zusammensetzung erblasen, den Martinöfen zugeführt wird,
um in diesen in Martinstahl umgewandelt zu werden. Der
Prozeß trägt eigentlich zu Unrecht den Namen zweier französischer
Hüttenleute, der Gebrüder Martin, die in einem
kleinen Hüttenwerke in Sireuil in Frankreich erstmalig Stahl
in Herdöfen hergestellt haben. Er müßte eigentlich als Siemensprozeß
bezeichnet werden, da die von den Gebrüdern Siemens
geschaffene Konstruktion des Regenerativherdofens allein die
Möglichkeit bietet, diejenigen hohen Temperaturen in einem
Herdofen zu erzeugen, die zur Führung dieses Prozesses erforderlich
sind. Das Charakteristikum des Regenerativofens
besteht darin, daß ein erheblicher Teil derjenigen Wärme, die
in den vom Ofen wegströmenden Abgasen enthalten ist,
deren Temperatur etwa 1700 Grad beträgt, durch Anwendung
des Siemensschen Regenerativprinzips dadurch dem Herde
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