Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

576 
VII AbfOnitt: Einzelne SouldverhHältniffe, 
b) Die Regel des $ 442 ift aucH unbeeinflußt davon, ob ein Dritfer Ihon 
fein Recht geltend gemacht hat, oder davon, „ob der dDinglidhe Vertrag 
{chon zu dem obligatoriichen hinzuagetreten oder noch austtändia it“ (IR. IL, 233). 
Ss 443. 
Eine Vereinbarung, durch welche die nach den SZ 433 bis 437, 439 bis 
442 wegen eine8 Mangels im Rechte dem Berkäufer obliegende Verpflichtung ZUT 
Sewährleiftung erlaffen oder befchränkt wird, ift nichtig, wenn der Verkäufer den 
Mangel argliftig verfdhweigt. 
&. I, 880; IL, 384; II, 437. 
Die Gefege8ftelle enthält vor allem eine Beftätigung des Sapes, daß Abän derungeN 
der Gewährletftungspflicht des Verkäufers im Vertragsweg im allgemeinen le un 
„Die fämtlichen Borfchriften über die Gewährleiftung des veräußerten Rechtes Min 
dispofitiv.“ (Me. 11, 223.) Frühere 
Diefer allgemeine Grundfaß erhält jedoch durch 8 443 im Anfchluß an früher 
Kechte (Windfheid-Kipp, Band. S 391 Note 38; PLR. Tl. I Tit. 5 8 348, Tit. 1185 137 
138; Tücht. ©S. S 947; cod. civ, art, 1627, 1628) eine mejentlige Modifikation 
für den — aber aud nur für diefen! — befonderen Fall de8 argliitigen Ben 
N eines Mangels im Rechte durch den Berfäufer {. M. 11, 223; vgl. au 
BER. EL. 1 Tit. 11 88 137, 138). Wegen Mängel der Sache f. 8 476 mit Bem. 
a) Ueber argliftige8 Verf meigen vol. zunächft im einzelnen Bem. 3, 2, $ 
zu 8 460 und die dort zitierte Literatur und Vraxis. 
b) Das argliftige Verfhmweigen bedingt hier eigene Kenntnis ‚De5 
MangelS auf Seite des Berfkfäufer3 und deffen VewußHtfein eine! 
beftebenden Unkenntnis hierüber auf Seite des Ränufer3. Der Verlänler 
ver chweigt alfo 3. B. nicht argliftig, wenn er die Kenntnis des Mangel8 hei dem 
Käufer vorausfeßt, wohl aber dann, wenn er darauf rechnet, daß der Käufer den 
DEF nicht erfennen werde, f. Neumann zu 8 443, vol. hiezu auch Sißheim 
in Bl. f. RU. Bd. 66 S. 240 und ferner auch Bem. 3, a, ß zu 8460. Urg“ 
(ijtiges Verfhweigen ft ein A. LTR? um 
den Gegenfontrahenten zu täujichen, val. ROSE. Bd. 55 S. 210, 
Dal. ferner au Kur. Die 1904 S. 359 und DLSG. Bamberg in Seuff. 
ch. Bd. 62 Nr. 34. Süßbhbeim a. a. D. nimmt ferner an, ein argliftig®® 
Verfchweigen fei auch dann Mn Ben En, wenn eS, Dbjeftiv genommen, Treu UND 
Glauben im Kechtsverfehr widerfpricht und wenn e8 {ubjektiv auf he: 
wußter Cäffigkeit Dberubt; Ddiefer Auffaffung ijt jedoch nicht beizu“ 
jtimmen, fubjeftive Läffigkeit wäre nur al3 grobe Sahrläffoteit oder HöchftenS 
als Borfaß im Sinne des fog. dolus eventualis denkbar, beide Können aber 
der hier erforderlichen AWbficht der Sin ung nicht A werden (10 
auch Bland und Dertmann zu $ 443, Seuff. Arch. a. a. D., AoB im Tächt. UrDd- 
Bd. 9 ES. 274). 
Der von dem Verkäufer verfhwiegene und der von dem Käufer nicht gekamnıte 
Mangel müffen_identifcdh fein, damit S$ 443 in Wirkjamfkeit trıtt, vgl. 
Süßheim a. 0. ©. €3 mird aber durch einen VerftoB gegen S 443 regel 
mäßig immer nur Die betreffende Vereinbarung nichtig. nicht der aanze 
Kaufvertrag; val. jedoch auch 8 139 mit Bent. ) 
WUus dem Umftande, daß der Wortlaut hier nur „wegen eine8 Mangels 
(autet, mährend in S 476 von der „wegen Mängel“ obliegenden Verpflichtung 
bie Rede ft, dürfen feine befonderen Folgen bhieber gezogen werden, val- 
hierüber Süßheim a. a. D. 
Die Kenntnis des Käufers von dem Mangel zur Zeit des Vertragsjchluffe? 
IOließt die Anwendbarkeit dez & 443 aus, vgl. RÖOS, Bd. 55 S. 210. 
Die Bemweislaft über das argaliftige Verichweigen trifft den Käufer, menn 
er daraus Rechte ableiten will. 
Neber Srage, vb der Verkäufer auch für das argliftige Schweigen 
leiner Gehilfen im Sinne des $ 443 haftet, vgl. 8 278 mit Bem., ferner 
Staub, Anm. 127 zu 8 377 HGB. und Dertmann in Bem. 4 zu 8 443. 
Analoge Borfchriften finden fih in 8 476, fowie in 8 377 Ubi. 5 HGB. 
f. ferner auch S 460 Sab 2 und 8 463 Sarı 2. 
a)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.