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Dichtung.
um Paul Heyse ein neues Geschlecht zu regen begann, dem
neben Martin Greif (geb. 1839) und Georg Michael Conrad
(geb. 1846) auch Kirchbach (geb. 1857) angehörte, und daß
Kirchbachs Buch einen physiologischen Impressionismus noch
sehr primitiver Form und eigenster Erfindung aufwies. Und
bald traten auch, durch Conrad, der in Paris gewesen war,
Beziehungen übrigens nur allgemeiner Natur zu Zola ein, und
der Münchener Kreis erweiterte und festigte sich: seit dem
J. Januar 1885 erschien, von ihm getragen, die Zeitschrift
„Die Gesellschaft“.
Beinah gleichzeitig machten auch die Harts in Berlin den
Versuch, die Neuerer um eine Zeitschrift zu sammeln; am
1. April 1885 kamen ihre „Berliner Monatshefte für Litte—
ratur, Kritik und Theater“ heraus. Aber nur ein halbes
Jahr. Dann gingen sie ein, und die Lefer wurden der „Ge—⸗
sellschaft“ überwiesen. Dennoch drang die neue Strömung
auch in Berlin vorwärts; bald erscholl in Bleibtreus Broschüre
„Revolution der Litteratur“ ein gellender Drommetenstoß von
unreinen Alarmtönen, und im Herbst 1886 trat eine Anzahl
junger Poeten in dem Verein „Durch“ zusammen und
forderte neben der Hinwendung der Dichtung zu modernen
Inhalten auch eine neue Form verstärkten Wirklichkeitssinnes:
„Die moderne Dichtung soll den Menschen mit Fleisch und
Blut, mit seinen Leidenschaften in unerbittlicher Wahrheit
zeigen, ohne dabei die durch das Kunstwerk sich selbst gezogene
(so!) Grenze zu überschreiten, vielmehr um durch die Größe
der Naturwahrheit die ästhetische Wirkung zu erhöhen.“ Zu—
gleich trat wohl in diesen Kreisen zuerst das entsetzliche Wort
„Moderne“ auf.
Und nun kamen zu alledem in Berlin die fremden An⸗
regungen aus der russischen und nordischen, vor allem aus der
französischen Litteratur. Und hier war es Zola, der, in Paris
schon verworfen, noch einmal als Bau- und Eckstein eines
neuen litterarischen Gebäudes dienen sollte. Zwar hatten sich
auch schon die Harts gegen ihn ausgesprochen: er verstoße in⸗
folge einer „ebenso originellen wie falschen Theorie“ gegen den