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III. Das Leben des Buddha.
worden sei. Er wies aber seinen Neffen Nälaka auf dies Ereignis
hin und bestimmte ihn zu einem Jünger Buddhas. Diese Erzählung
kennt auch dieMckäuakatllä, ferner Asvaghosa, der Verfasser des
Luäckllaoarita, „Leben des Buddha", der im 1. Jahrhundert vor
Chr. unter König Kaniska lebte, der Lalitavistara und das Mahä-
vastu. Sie gehört also zu dem ältesten Bestände der Lebensbe
schreibungen des Buddha. Ihre Ähnlichkeit mit der Erzählung von
Simeon, die uns Lukas 2, 25—36 berichtet, ist längst bemerkt
worden. In einigen Punkten weichen beide Erzählungen allerdings
voneinander ab. Besonders ist hervorzuheben, daß Asita erklärt,
er werde sterben, ehe das Kind Buddha geworden sei, Simeon da
gegen die Prophezeiung erhalten hat, daß er nicht eher sterben werde,
ehe er Jesus gesehen habe. Aber der Unterschied ist doch geringer
als die Übereinstimmung. Hier wie dort ist es ein Greis, der auf
wunderbare Weise zu dem neugeborenen Kinde kommt, es aufhebt
und sich glücklich preist, daß er das Kind noch gesehen hat. Eine
Entlehnung ist hier sehr wahrscheinlich, und der Weg ist jetzt nicht
mehr so schwer nachzuweisen wie früher.
Die Durchforschung von Turkestan durch Sven Hedin und
Stein im Süden, Klementz, Grünwedel und v. Lecoq im Nor
den, hat ergeben, daß sich dort alle Religionen auf dem Wege nach
China zusammendrängten. Die Trümmerstätten weisen auf eine
alte buddhistische Mission hin. Bilder und Bauten buddhistischen
Ursprungs, buddhistische Handschriften und Blockdrucke finden sich
überall. Nach China ist die erste Kenntnis des Buddhismus am
Ende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts allerdings aus Nord
indien direkt gekommen. Die stetige Ausbreitung der buddhistischen
Religion in China, die wir von der Mitte des ersten Jahrhunderts
nach Chr. ab verfolgen können, erklärt sich aber nur aus der Ver
bindung mit Turkestan. Hier muß der Buddhismus schon früher
festen Fuß gefaßt haben, wahrscheinlich seit dem Beginn der christ
lichen Zeitrechnung. Wir hören von Mönchen, die zwischen 76 und
88 n. Chr. buddhistische Bücher aus Turkestan nach China brachten,
und im dritten Jahrhundert stand der Buddhismus in Turkestan
in voller Blüte. In Baktrien ist er schon im 2. Jahrhundert vor
Chr. nachweisbar. Ferner saßen in Turkestan Zoroastrier, was
uns direkt überliefert ist. Auch haben sich Bruchstücke von Hand
schriften zoroastrischen Inhalts dort gefunden. Eine große Rolle
spielten dann dort die Manichäer. Mäni, der Stifter des nach
ihm benannten Religionssystems, soll um 215 nach Chr. in Mar-