mehr gelten lassen. Die Pflege der Beziehungen mit Mittel
amerika ist von Bremen leider direkt vernachlässigt worden.
Auch der Handel mit Südamerika hätte sich reger ent
wickeln können. Er zieht sich immer mehr nach Hamburg hin,
und es dürfte kaum zu viel gesagt sein, jene weiten, deutscher
Beeinflussung noch zugänglichen Gebiete eine Domäne Ham
burgs zu nennen. Bremen ist trotz der Schiffsverbindungen, die
es durch den Norddeutschen Lloyd und die Hansa mit Brasilien
und den La Plata-Staaten unterhält, vollständig in den Hinter
grund gedrängt worden. Vollends sein direkter Verkehr mit der
andinischen Küste ist gleich Null, die Hamburger Kosmos-Linie
hatte dort bis zur Zeit der erst in den allerletzten Jahren auf-
genommenen Expeditionen der mit dem Lloyd in enger Ver
bindung stehenden Bremer Roland-Linie fast ein Monopol. Diese
Entwicklung ist um so mehr zu bedauern, als Südamerika, be
sonders in der gemäßigten Zone, noch eine große Zukunft vor sich
hat. — Einfuhr und Ausfuhr gehen Hand in Hand, schon wegen
der Rückfrachten und der entstehenden bankmäßigen Verbindun
gen. Wohin soll Deutschland seine Industrieerzeugnisse schicken,
wenn Nordamerika für uns verloren, im fernen Osten nach Voll
endung des Panamakanals und nach Aufteilung der Absatzgebiete
des Stillen Ozeans die Tür zugemacht sein, Australien sich auf
eigene Füße gestellt haben wird? Dann wird unzweifelhaft Süd
amerika erhöhte Bedeutung erlangen, und Bremen als der eine
der beiden deutschen Seehäfen muß deshalb darauf bedacht sein, sich
dort als Ersatz für schwere anderweitige Verluste schadlos zu
halten. — Daß sich die Einfuhr von Südamerika in den letzten
vierzig Jahren vervierfacht hat, will bei den kleinen Summen, um
die es sich handelt, wenig besagen. Viel schwerer fällt der relative
Rückgang ins Gewicht.
Bezüglich Afrikas entwickelten sich die Verhältnisse inso
fern für Bremen etwas günstiger als es seine Einfuhr von dort
absolut und relativ vergrößern konnte. Sind die Erfolge auch
noch klein — es sind immerhin Erfolge, und diese verdienen her
vorgehoben zu werden, um so mehr, da sie gegen eine über
mächtige Konkurrenz erzielt wurden.
Die Entwicklung des asiatischen Einfuhrhandels
geht ihren ruhigen, etwas schwerfälligen Gang. Kein plötzliches
Emporschnellen oder Sinken der Zahlen. Kein freudiges, kräftiges
Vorwärtsstürmen. Man hat unwillkürlich den Eindruck: die
Steigerung erfolgt, nicht weil Bremen besondere Anstrengungen