Full text: An Introduction to the theory of statistics

Kapitel III. Die Pessimisten. 
151 
behrung der Freuden des Familienlebens legt er nur dem Armen auf, 
— nicht dem Reichen 1 ), denn dieser befindet sich stets in der von 
Malthus vorgeschriebenen Lage, die laut seiner Definition allein die 
Zeugung von Kindern rechtfertigt. Ich weiß wohl, daß Malthus 
jenes harte Gesetz, „keine Kinder in die Welt zu setzen, die man 
nicht ernähren kann“, gerade im Interesse der Armen selbst auf 
stellt. Dies hindert aber nicht, daß hierdurch die Ungleichheit ihrer 
Lage in der grausamsten Weise, die man sich denken kann, hervor 
gehoben und unterstrichen wird. Er stellt sie vor die Wahl, ent 
weder Hunger zu leiden, oder auf die Befriedigung des natürlichen 
Liebesbedürfnisses zu verzichten. Malthus räumt mit dem alten 
Lied: „Kaum ist in der kleinsten Hütte“ .. . gründlich auf! Hervor 
zuheben ist aber, daß er jede gesetzliche Heiratsbeschränkung für 
Arme, wie sie in einigen Ländern besteht, verwirft. Hier bleibt der 
liberale Volkswirtschaftler sich selbst treu. Er sieht wohl, daß, auch 
unter Außerachtlassung aller humanitären Rücksichten, dieses Verbot 
— ein Heilmittel, schlimmer als das zu bekämpfende Übel — nur 
erreicht, daß an Stelle der ehelichen Kinder die unehelichen zu 
nehmen 2 ). 
Wenn er den Armen zuruft, daß sie ihr Elend nur sich selbst 
verdanken 3 ), weil sie keine Voraussicht geübt hätten, weil sie zu 
früh geheiratet und zu viele Kinder haben, und wenn er noch dazu 
ausführt, daß kein geschriebenes Gesetz, keine Vorkehrung und keine 
Einrichtung der Wohltätigkeit irgendwelche Hilfe bringen kann, so 
scheint ihm nicht bewußt geworden zu sein, welchen bequemen Vor 
wand zur vollständigen Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der 
Arbeiter er damit den Besitzenden lieferte 4 ). Während des ganzen 
1 ) Er sagt das ganz kategorisch: „Bei dem Armen muß man Gewohnheiten 
der Klugheit yoraussetzen, die ihn davon abhalten, sich eher zu verheiraten, als bis 
der Lohn seiner Arbeit genügt, ihn selbst, eine Frau und sechs Kinder ohne Unter 
stützung zu ernähren.“ Damit ist die Ehe jedem Arbeiter untersagt, dessen Lohn 
nicht ausreicht, eine Familie von acht Köpfen zu erhalten! In Anbetracht der er 
bärmlichen Löhne, die die Arbeiter zur Zeit Malthus erhielten, verurteilte er damit 
die ganze Arbeiterklasse entweder zur Ehelosigkeit oder zur Keuschheit! 
2 ) „Man hat mir vorgeworfen, ein Gesetz anregen zu wollen, daß dem Armen 
die Ehe verbietet. Das ist nicht wahr . . . Tatsächlich bin ich in der entschiedensten 
Weise der Meinung, daß jedes positive Gesetz, durch das das Heiratsalter begrenzt 
wird, nngereoht und unmoralisch ist.“ 
3 ) Wir wiederholen die Stelle, die wir schon angeführt haben, denn sie verdient 
ganz besonders hervorgehoben zu ■werden; „Das Volk muß sich selbst als die Haupt 
ursache seines Elendes betrachten“ (S. 500). 
4 ) Die Thesen Malthus’ über die Wohltätigkeit sind sehr interessant und stehen 
zu seiner Bevölkerungstheorie in direkter Beziehung. Er hat sich hauptsächlich 
mit der praktischen Seite der Frage befaßt, auf die er großen Einfluß ausgeübt 
hat. Das damals in England seit den Zeiten der Königin Elisabeth bestehende Gesetz
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.