Full text : Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

Bernhard Harms

die Konsequenz zu ziehen. Wann es durchgreifend in Mittel- und Westeuropa,
 nicht zuletzt in Deutschland, geschehen wird, bleibe dahingestellt.
Über weltwirtschaftlich bedeutsame agrarische Strukturwandlungen
sei das Folgende gesagt. Sie sind geringer, als gewöhnlich angenommen wird.
Ausgesprochene Verschiebungen, wie wir sie in Kriegs- und Nachkriegszeit
 erlebt haben, sind überwiegend in das ursprüngliche Lageverhältnis
zurückgekehrt. Immerhin haben in gewissem Umfange auch Strukturwandlungen
 stattgefunden, die sich am nachdrücklichsten in der Weizenwirtschaft
 zeigen. Hier liegen die Verhältnisse so: Das große Zuschußgebiet
 für Weizen und Weizenmehl war vor dem Kriege Europa, das
allerdings in sich selbst zwei Überschußgebiete hatte: Rußland und
Rumänien. Zudem deckte Spanien seinen Bedarf selbst, während Frankreich
 den benötigten Zuschuß aus Tunis und Marokko bezog. Vom eigentlichen
 europäischen Zuschußgebiet waren Deutschland und Italien mit
30—40 %, ihres Verbrauchs, England, Holland, Belgien, Schweden und
Norwegen jeweils mit 70—80 %, von fremder Zufuhr abhängig. Versorgungsgebiete
 Europas waren zu 40 %, Rumänien und Rußland, zu
25 °/o die Vereinigten Staaten und Kanada, zu 25 %% Argentinien und
Australien. Die europäischen Einfuhrländer führten allerdings einen
erheblichen Teil des importierten Weizens, teils vermischt mit einheimischer
 Ware, in Form von Mehl wieder aus. Drei Fünftel des
vorkriegszeitlichen europäischen Bedarfs an Weizenmehl kamen aus
Europa, der Rest aus den Vereinigten Staaten und Kanada.
Die seitdem erfolgten Strukturwandlungen lassen sich so umschreiben:
Rußland und Rumänien sind für den europäischen Zuschußbedarf weggefallen,
 so daß Europa für diesen fast ausschließlich auf Überseegebiete
angewiesen ist, eine Wandlung, der unter mehr als einem Gesichtspunkt
Bedeutung zukommt. Bemerkenswert ist weiter, daß sich in der Weizenmehlversorgung
 Wandlungen durchgesetzt haben, von denen allerdings
noch nicht zu übersehen ist, ob sie die Dauer halten. Während, wie
bemerkt, in der Vorkriegszeit etwa 40%, der europäischen Mehlzufuhr
aus den Überseegebieten kamen, waren es 1920 annähernd 90%. Der
Anteil ist seitdem ständig gesunken, hält sich aber absolut noch auf dem
Zwei- bis Dreifachen der Friedenszeit, worin einerseits vermehrter Bedarf,
anderseits eine starke Verschiebung von der Weizeneinfuhr zur Mehleinfuhr
 zum Ausdruck kommt. Ob es dabei verbleiben wird, ist, wie
gesagt, nicht abzusehen. Mutmaßlich werden die hauptsächlich in Betracht
 kommenden europäischen Länder durch Erhöhung des Mehlzolles
die frühere Konkurrenzfähigkeit ihres Mühlengewerbes wiederherzustellen
versuchen. Im übrigen haben sich, weltwirtschaftlich gesehen, eigentliche
Strukturwandlungen im Weizenbau nicht vollzogen, insbesondere ist
das Verhältnis der außereuropäischen Überschußgebiete zueinander kaurr
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.