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gleiche ist hier und da der Fall bei der Amortisation von
Aktien.
Genussscheine werden auch bei Neuemission von
Aktien an die alten Aktionäre abgegeben, um denselben
einen Vorteil vor den neuen einzuräumen 1 ). Gesellschaften
mit einem relativ niederen Aktienkapital, deren Aktien in
folge ihrer hohen Rendite sehr hoch im Kurs stehen und
deshalb an der Börse immobilisiert sind, haben Genuss
scheine mit Erfolg verwendet, um den Aktien ihre frühere
Beweglichkeit zurückzugeben. Es wurde ein Teil der den
Aktien statutenmässig zustehenden Ansprüche auf ver
mögensrechtliche Bezüge 2 3 * * * * ) abgetrennt und auf diese Weise
verselbständigt 8 ).
compensation ä cette reduction et pour tenir compte ä nos action-
naires actuels des chances que l’avenir aurait pu leur röserver,
notamment par la perspective du percement du Simplon, il a ete
convenu de leur attribuer, independemment de leurs nouvelles actions
de 200 fr. des bons de jouissance donnant droit au quart des bene-
fices nets apres F/2 et 4 % aux actions (Rapp, de la Direktion de
la Comp. S. O. S. Sept. 1889. Auch Holdheim 1894, 173. Ähnlich
verhielt es sich bei der Schokoladenfabrik Hochdorf, wo alle 10,000
Aktien von 500 auf 20 Fr. abgeschrieben werden und dafür die
Aktionäre für jede Aktie einen Genussschein erhalten sollten, wofür
sie aber eine Taxe von Fr. 10 zu entrichten haben. Dieses Projekt
ist jedoch nie zur Ausführung gelangt.
') Lecouturier, 1. c., Nr. 6.
2 ) Klemperer, 1. c., 88; er zählt für Deutschland im Jahre 1898
zehn solche Gesellschaften auf.
3 ) So die Aktiengesellschaft Haasenstein & Vogler in Genf.
Diese Gesellschaft schuf im Jahre 1900 zum ersten Male 10,000 Genuss
scheine, die unter die Aktionäre im Verhältnis von fünf Genuss
scheinen auf je eine Aktie verteilt wurden. Im Jahre 1905 schul
die Gesellschaft wiederum 12,000 Genussscheine, die ebenfalls un
entgeltlich den Aktionären und den Genussscheininhabern abgegeben
wurden, so dass 22,000 Genussscheine im Umlauf waren, die fälsch
lich den Namen Genussaktien führten; ohne die Genussscheine
würde eine Aktie dieser Gesellschaft einen Wert von ungefähr
Fr. 15,000 repräsentiert haben, während sie im Jahre 1911 etwa
3500 und der Genussschein 700 Fr. galten. In neuester Zeit wurden
die Genussscheine wieder zurückgekauft und gleichzeitig das Kapital
von ein auf fünf Millionen erhöht.