Object : Versand- und Zollvorschriften im Verkehr mit dem Ausland [Im Aufl. d. Bergischen Industrie u. Handelskammer zu Reimacheid zusgest u. bearb von d. Zollauskunftstelle d. Handelskammer]

-XI-Birmingham,
  die  66  Schüler  zählte,  später  (seit  1826)  in  einer  selbstbegründeten
  eigenen  Schule  in  Tottenham  bei  London.  Doch  scheint  er
in  recht  auskömmlichen  Verhältnissen  gelebt  zu  haben.  Es  war  nun  eigenartig, ­
  wie  er  überhaupt  zu  postalischen  Studien  kam.  Als  Vorstandsmitglied
der  Gesellschaft  zur  Verbreitung  nützlichen  Wissens  (Society  for  the  diffusion
  of  useful  knowlegde),  die  besonders  die  Schaffung  wohlfeiler  Bücher
austrebte,  beschäftigte  sich  sein  erfinderischer  Kopf  auch  mit  der  Technik
der  Buchdruckerei  und  erfand  eine  zylindrische  Botations-Schnellpresse,  die
von  einer  sich  abwickelnden  Papierrolle  in  der  Stunde  8000  Bogen  bedrucken ­
  konnte,  zehnmal  mehr  als  die  bisherigen  Maschinen.  Sie  ist  1835
auch  als  Nr.  6762  patentiert  worden.  Das  Modell  kann  man  noch  heute  im
South  Kensingtön-Museum  zu  London  sehen.  Hill,  damals  40  Jahre  alt,
hatte  dieser  Erfindung  gemeinsam  mit  seinem  Bruder  ein  ganzes  Jahr  der
Arbeit  gewidmet.  Er  hatte  für  Modelle  und  Patent  2000  £  (40  000  M)
ausgegeben  und  hoffte  natürlich  auf  wirtschaftliche  Erfolge  daraus.  Aber
ihr  Hauptzweck,  dem  Zeitungsdruok  zu  dienen,  wurde  durch  die  damals
bestehende  Stempelsteuer  (S’/a  d)  auf  Zeitungen  vereitelt.  Jeder  Papierbogen
musste  nämlich  vor  dem  Druck  im  Stempelamt  einzeln  gestempelt  werden.
Das  Schatzamt  ging  aber  nicht  auf  Hills  Gesuch  ein,  diese  Stempelung
durch  die  Botationspresse  selbst  besorgen  zu  dürfen,  so  dass  die  Erfindung
damit  überflüssig  war  und  die  Einführung  der  später  vervollkommneten
Rotationsmaschinen  um  Jahrzehnte  verzögert  wurde.  Ähnlich  verderblich
hat  ja  1865  eine  gesetzliche  Bestimmung  auf  die  damals  schon  hoch  entwickelte ­
  Dampfautomobil-Industrie  Englands  gewirkt,  wonach  die  Fahrgeschwindigkeit ­
  auf  4  engl.  Meilen  auf  dem  Lande  und  auf  2  Meilen  in
Ortschaften  beschränkt  wurde  und  ausserdem  jedem  Auto  innerhalb  der
Ortschaften  ein  Mann  mit  einer  roten  Fahne  als  Warnung  für  Fuhrwerke
und  Begegnende  vorausgehen  musste.  Natürlich  war  es  seitdem  mit  dieser
Industrie  zu  Ende  für  30  —  35  Jahre.  Es  war  kein  Wunder,  wenn  Hill
daher  —  schon  seit  1834  —  an  einer  Agitation  zur  völligen  Aufhebung  des
Zeitungsstempels  lebhaften  Anteil  nahm.  Die  Herabsetzung  auf  einen  Penny
folgte  zwar  bald,  die  völlige  Aufhebung  liess  jedoch  noch  25  Jahre  auf
sich  warten.
Des  angreifenden  Schullebens  müde,  oft  sehr  abgearbeitet  und  überhaupt ­
  stets  viel  an  Kopfschmerzen  leidend,  gab  er  schon  1833  seine  langjährige ­
  Lehrerstelluug  auf,  da  sie  ihn  auch  nicht  dauernd  befriedigte  und
er  sich  nach  einem  Beruf  sehnte,  der  sein  Dasein  besser  rechtfertigen  konnte.
Nach  einer  Reise  in  Frankreich  übernahm  er  dann  die  ihm  angetragene  Stelle
eines  Londoner  Geschäftsführers  (Secretary)  der  Gesellschaft  zur  Kolonisierung-Süd-Australiens,
  sein  erstes  öffentliches  Amt,  das  er  4  Jahre  lang,  bis  zum
September  1839,  bekleidet  hat.  Er  bezog  hier  ein  Gehalt  von  500  £
(10  000  M)  jährlich,  ohne  welches  seine  Postreformstudien  und  Veröffentlichungen ­
  ihm  kaum  möglich  gewesen  wären.  Das  arme  Schulmeisterlein
der  Legende  ist  er  also  nicht  gewesen.
Allein  auch  dieser  Posten,  wo  er  sich  immer  noch  nicht  auf  dem
rechten  Platze  fühlte,  befriedigte  ihn  nicht  ganz.  Er  begann  vielmehr  sich
            
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