Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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teilen,  mehr  Arbeit  auf  die  Erzeugung  von  Produktionsmitteln
auf  wenden,  d.  h.  durch  den  technischen  Fortschritt  jenes  Sinken
wettmachen.
Der  Kirgise  von  heute,  der  sich  durch  Viehzucht  ernährt,
braucht  weniger  zu  arbeiten,  um  seine  Bedürfnisse  an  Nahrung,
Wohnung  und  Kleidung  zu  decken.  Der  Ackerbauer  muß  dagegen
bedeutend  mehr  Arbeit  dafür  aufwenden.  Da  aber  die  landwirtschaftliche ­
  Arbeit  viel  mannigfaltiger  ist,  so  erhält  der  Ackerbauer ­
  auch  verschiedenartige  Produkte,  um  seine  Bedürfnisse  zu
befriedigen.  So  sieht  sich  die  Bevölkerung  mit  ihrer  Vermehrung
gezwungen,  zu  einer  intensiveren  Kultur  überzugehen,  was  jedoch
nur  bei  einem  technischen  Fortschritt  und  einer  Steigerung  der
Arbeitsaufwände  möglich  wird.  Das  wird  dadurch  erreicht,  daß
die  Arbeit  komplizierter  und  mannigfaltiger  wird,  wodurch  eben
auch  die  mannigfaltige  Befriedigung  der  Bedürfnisse  ermöglicht
wird.  Ein  Ackerbauer  hätte  mit  einem  so  geringen  Arbeitsaufwand ­
  wie  ein  Hirt  seine  Nahrung  nicht  beschaffen  können.  Daher ­
  scheint  es  dem  Ackerbauer,  daß  der  Hirt  eigentlich  nichts  tut.
Dafür  sind  aber  auch  die  Lebensbedürfnisse  eines  Ackerbauers
und  deren  Befriedigung  viel  verschiedenartiger.
Die  allgemeine  Verteilung  der  Produktivkräfte  beim  Übergang ­
  zur  intensiveren  Wirtschaft  kann  etwa  an  folgendem  Beispiel ­
  illustriert  werden:
Angenommen,  daß  auf  einer  Quadratmeile  50  Stück  Vieh  gefüttert ­
  werden  können.  Eine  aus  zwei  Personen  bestehende
Familie  kann  dabei  mit  einem  ganz  geringen  Arbeitsaufwand  ihre
Bedürfnisse  reichlich  decken  und  sich  auch  auf  fünf  Personen
vermehren.  Steigt  die  Zahl  der  Familienmitglieder  aber  bis  auf
zehn  Personen,  so  genügen  50  Stück  Vieh  nicht  mehr;  da  man
aber  auf  einer  Quadratmeile  auch  nicht  mehr  Vieh  erhalten
kann,  so  werden  die  zehn  Personen  sich  nur  ernähren  können,
wenn  sie  zugleich  mit  der  Viehzucht  auch  Ackerbau  betreiben.
Die  Bevölkerung  muß  nicht  nur  mehr  arbeiten,  sondern  ihre
Arbeit  vermannigfaltigen.  Es  müssen  mehr  Produktivkräfte  zur
Befriedigung  der  wirtschaftlichen  Bedürfnisse  aufgewendet  werden. ­
  Aber  auch  die  persönlichen  Bedürfnisse  sind  verschieden-
            
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