fullscreen: Fortschritt und Armut

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Kap. IV. 
Miderleaunq der Maltbusschen Theorie. 
Die Kargheit der Natur, nicht die Ungerechtigkeit der Gesellschaft, .ist die Ursache der 
für Ubervöllerung festgesetzten Strafe. Line ungerechte Verteilung der Güter ver 
schlimmert nicht das Übel, sondern macht dasselbe höchstens etwas früher fühlbar. 
Vergeblich sagt man, daß alle Münder, welche die Zunahme der Menschen ins Dasein 
ruft, gleichzeitig ksände mitbringen. Die neuen Münder erfordern so viel Nahrung 
wie die alten, dagegen erzeugen die bsände nicht so viel, lvären alle Produktionsmittel 
in gemeinschaftlichem Besitz des ganzen Volles und wären alle Produkte mit voll 
kommener Gleichheit unter dasselbe verteilt; wäre in einer so eingerichteten Gesell 
schaft der Fleiß gerade so energisch und das Produkt gerade so ausgiebig wie gegen 
wärtig, so würde genug vorhanden sein, um der ganzen vorhandenen Bevölkerung 
außerordentlichen Wohlstand zu verschaffen; hätte sich diese Bevölkerung aber erst 
verdoppelt, wie sie es bei den Gewohnheiten des Volles und bei solcher Ermutigung 
nach kaum zwanzig Jahren unzweifelhaft getan haben würde, was wäre dann ihre 
Tage? Wofern nicht die produktiven Gewerbe in derselben Zeit in einem fast beispiel 
losen Grade vervollkommnet wären, würde der geringere Boden, auf den man zurück 
greifen müßte, und die mühseligere und dürftig lohnende Kultur, die man dem besseren 
Boden angedeihen lassen müßte, um für eine so viel zahlreichere Bevölkerung Nahrung 
zu schaffen, mit unüberwindlicher Notwendigkeit jeden einzelnen im Staate ärmer 
als zuvor machen. Wenn die Bevölkerung dann fortführe, in demselben Maßstab 
zuzunehmen, würde bald die Zeit kommen, wo niemand mehr als das Notwendigste 
hätte, und bald nachher eine Zeit, wo niemand mehr genug hätte, so daß einer weiteren 
Vermehrung durch den Tod ein Riegel vorgeschoben würde*)" 
Alles dieses leugne ich! Ich behaupte, daß gerade das Gegenteil 
von diesen Sätzen richtig ist. Ich behaupte, daß in jedem gegebenen 
Zustande der Zivilisation eine größere Anzahl von Menschen, als Gesamt 
heit, besser versorgt werden kann als eine kleinere. Ich behaupte, daß 
die Ungerechtigkeit der Gesellschaft, nicht die Kargheit der Natur die 
Arsache des Mangels und Glends ist, welche die herrschende Theorie 
der Übervölkerung zuschreibt. Ich behaupte, daß die von einer zunehmen 
den Bevölkerung ins Dasein gerufenen neuen Münder nicht mehr 
Nahrung als die alten brauchen, während die Hände, welche sie mit 
sich bringen, im natürlichen verlauf der Dinge mehr erzeugen. Ich 
behaupte, daß, je größer die Bevölkerung wird, unter sonst gleichen Ver 
hältnissen der Wohlstand, den eine gerechte Verteilung der Güter jedem 
einzelnen gewähren würde, desto höher sein muß. Ich behaupte, daß 
in einem Zustande der Gleichheit die natürliche Bevölkerungszunahme 
beständig darauf hinwirken würde, jeden einzelnen reicher und nicht 
ärmer zu machen. 
Ich gehe nunmehr an die letzte Instanz und stelle die Frage auf die 
Probe der Tatsachen. 
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, möchte ich zunächst den 
^eser vor einer Gedankenverirrung warnen, die selbst bei Schriftstellern 
von großemRufe bemerkbar ist. DieFrage, in die sich unsere Untersuchung 
Zuspitzt, ist nicht: in welchem Stadium der Bevölkerung werden am 
Meisten Unterhaltsmittel produziert, sondern: in welchem Stadium der 
Bevölkerung tritt die größte Fähigkeit, Güter zu produzieren, hervor? 
Denn die Fähigkeit, Güter irgendwelcherArt zu produzieren, ist dieFähig- 
*) Grundsätze der Nationalökonomie. Buch I, Kap. \5, Abschn. 2.
	        
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