Schacht auf der Tagung des deutschen Landwirtschaftsrats in
Darmstadt diesen letzten Punkt nachdrücklich unterstrich, erntete
er freilich stürmische Protestrufe der versammelten Junker, Diese
waren natürlich nicht gegen die Industrialisierung, wohl aber gegen
den Druck und die Kontrolle, die das Finanzkapital sich anmaßte,
Sie wehrten sich denn auch eine Zeitlang durch das „Einfrieren“
ihrer Wechsel, Am Ende freilich mußten sie sich der Bankkontrolle
unterordnen, die durch die Ausführungsbestimmungen zum Notpro-
sramm und die Reorganisation der Preußenkasse eine gesetzliche
Form erhalten hat,
Die Parole der „Industrialisierung der Landwirtschaft‘ ist be-
deutend umfassender als etwa die Parole der. Mechanisierung und
Motorisierung der Landwirtschaft, Besonders aufschlußreich ist der
Vortrag, den Generaldirektor Heinrich Päppelmannn, Augsburg, auf
der Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure am 10. Mai
1925 hielt. Die Parole umfaßt vor allem auch die Forderung der
Rationalisierung der Landwirtschaft, d, h der
streng kaufmännischen Betriebsführung, der Anwendung industrieller
Ausbeutungs- und Massenproduktionsmethoden, der ‘ Konjunktur-
beobachtung, der Anpassung an ‚den „Geschmack des Marktes“,
ferner die Forderung der Standardisierung nach dem Muster
der dänischen, holländischen, teilweise auch der amerikanischen
Landwirtschaft, Die Parole umfaßt auch die Umstellung der Betriebe
auf die sogenannte Veredlungswirtschaft, d, h. den
Uebergang vom. vorwiegenden Getreide- und Kartoffelbau zur
Fleisch- und Milch-, Obst- und Gemüseproduktion und die Verbin-
dung dieser landwirtschaftlichen Veredlungsindustrie mit weiter-
verarbeitenden Industrien zum Zweck des Exports
hochwertiger Ware,
vom März 1928 und die sonstigen zugunsten der Agrarier durchgeführten
Stützungsaktionen neuesten Datums einfach übersieht.
„Landbund kämpft gegen Eisenpreis”, ruft Leonid und schwatzt der
„Frankfurter Zeitung“ ihre Kassandrarufe vom „Käuferstreik‘ nach, Aber
er geht noch weiter als diese! „Ueber die Maschinenfabriken hinweg schlägt
der Stahltrust nach der Landwirtschaft, behauptet er und konstruiert aus
blauer Luit die Absicht des Landbundes* einen „Durchbruch der schwer-
industriellen Zollfront‘“ zu erzwingen. Schiefer kann man das Bild über-
haupt nicht mehr zeichnen, zumal in dem Augenblick, wo innerhalb des
Landbundes der finanzkapitalistisch orientierte Flügel unter Hepp und
Schiele das verbohrte kleine Krautjunkertum unter Graf Kalckreuth end-
gültig an die Wand gedrückt hat. Nie hielt der „Burgfrieden
zwischen Schwerindustrie und Großagrarier dichter
als gerade jetzt, wo die Schwerindustrie sich direkt
an den Standardisierungs- und IndustriakisierungS-
bestrebungen der führenden Großagrarier beteiligt
und ihre Zollwünsche weitgehender als je befriedigt.
Die „Kampffront‘ läuft nicht, wie Leonid glaubt, vertikal zwischen Indu-
strie- und Agrarkapital hindurch, sondern horizontal durch beide Gruppen:
schwerindustrielle Trusts und Großagrarier oben — kleinere Fertig-
industrielle Trusts und Großagrarier unten, — Hier kann man von wirk-
‘ichen Interessengegensätzen reden, die aber auch nicht zu solchen kriege-
tischen Konseauenzen führen, wie Leonid gerne wahr haben möchte,