Full text : Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Es wäre ein Verbrechen an der deutschen Wirtschaft, besonders an
der Hüttenindustrie, wollten öffentliche Hand und Privatwirtschaft
nicht alles aufbieten, um den Rest der deutschen Eisenerzerzeugung zu
erhalten. Im Siegerland, an Dill und Lahn und im der Oberpfalz hängt
eine wertvolle Eisenindustrie in Erzeugung und Weiterverarbeitung mit
ihrem Lebenenerv von dem Bestand des Bergbaus ab. Darüber hinaus
dienen diese Bergbaubezirke der großen westlichen Hüttenindustrie
dazu, doch wenigstens in kleinen Teilen vom Ausland unabhängig zu
sein, und sie können unter Umständen — wie die Kriegejahre beweisen
 — berufen sein, die deutsche Eisen- und Stahlproduktion überhaupt
 aufrecht zu erhalten.
Zum zweiten muß festgestellt werden, daß die als Hoffnung und
Zukunft einer größeren inländischen Eisenerzversorgung in Frage kommenden
 großen Lagerstätten im Vorland des Harzes, in der Oberpfalz,
im bayerischen und württembergischen Jura, Erze enthalten, die, jedenfalls
 im Rohzustande, technisch minderwertig und wirtschaftlich konkurrenzunfähig
 sind.
Trotzdem bieten diese Lagerstätten den einzigen Ausblick auf teilweise
 Befreiung der deutschen Hüttenindustrie von der ausländischen
Abhängigkeit und Tributpflicht. Es gilt deshalb für Regierung und
Privatwirtschaft diese Hoffnung zur Tatsache zu gestalten. Die Möglichkeiten’
 eind ohne Zweifel vorhanden, es bedarf. aber seitens aller
Beteiligten weit größeren Verständnisses im Erkennen dieser Dinge
ale bisher und eines viel stärkeren Willens zur Erreichung dieses Zieles,
sines Willens, der allerdings mit Opfern verbunden sein muß, die sich
aber bestimmt in Zukunft bezahlt machen:
Es ist eingangs erwähnt, daß die deutschen Hüttenwerke durch die
Folgen des Versailler Diktats auch im Ausland unendlich viel an wertvollem
 und zukunftereichem Erzbesitz verloren haben. Auch da gilt es,
neu aufzubauen und keine Mühen, Enttäuschungen und Opfer zu
scheuen. Die Durchführung solcher Absichten bedarf gleichfalls der
verständnisvollen Förderung der Regierung, unter Umständen sogar
angesichts der großen Obiekte der finanziellen Beihilfe.
Diese allgemeinen Ausführungen dürften zeigen, daß es sich schon
lohnt, diese Dinge im allgemeinen zu prüfen und zu erwägen. Diesem
Zweck sollen die folgenden Ausführungen dienen.

Versorgung aus eigener Förderung. ;

1. Siegerland.

Das Siegerland — Nassauisches Erzrevier — stellt zur Zeit das
größte deutsche Eisenerzbergbaugebiet dar, in dem über.die Hälfte der
gesamten deutschen Eisenerzerzeugung gefördert werden kann, An dieser
Produktion, die zusammen etwa 4 000 000 Tonnen jährlich beträgt, sind
das Siegerland mit 2 500 000 Tonnen und die nassau-hessischen Reviere
mit 1500 000 Tonnen beteiligt.
            
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