fullscreen : Der Weltverkehr und seine Mittel

217

Fairlie-  und  Günther-Meyer-Lokomotive.

Art  thätig.  Sie  wiegen  betriebsfähig  19  812  kg  und  durchlaufen  mit  20—30  km/Std.-Geschwindigkeit
  leicht  die  zahlreichen  scharfen  Kurven  (bis  35  in  Halbmesser)  dieser  Linie,
was  namentlich  bei  einer  Fahrt  auf  dem  Führerstande  scharf  hervortritt.
Merkwürdigerweise  gleicht  aber  auch  die  schwerste  und  leistungsfähigste  Lokomotive,
die  in  dem  Jahrhundert  des  Dampfes  überhaupt  gebaut  wurde,  äußerlich  der  Fairliemaschine.
  Sie  ist  auf  der  Gebirgsstrecke  Tampico-Mexiko  der  mexikanischen  Zentralbahn
im  Betriebe  und  besitzt  14  Meter  Gesamtradstand!  Dieser  Lokomotivriese  besitzt  zwei
Kessel  mit  zwei  Schornsteinen,  acht  Dampfcylinder  und  acht  Achsen,  von  denen  sechs  —  zu
je  drei  in  einem  Drehgestell  —  gekuppelt  sind,  während  die  beiden  Endachsen  als  kurvenbewegliche ­
  Laufachsen  ausgebildet  sind.  Die  Tenderlokomotive  wiegt  dienstbereit  113  500kg,
wovon  95  300  kg  auf  die  zwölf  Triebräder  entfallen.  Die  Übertragung  der  Dampfarbeit ­
  von  den  hier  fest  gelagerten  Cylindern  ans  die  kurvenbeweglichen  Radachsen  —
die  normalspurige  Bahn  weist  Kurven  von  nur  80  in  Halbmesser  auf  —  ist  in  sehr
geschickter  Weise  durchgeführt  und  macht  der  Konstruktionsgabe  ihres  Erbauers  Johnstone
alle  Ehre,  ist  aber  andererseits  doch  so  verwickelt,  daß  sie  schwerlich  Nachahmung  finden

222.  MaUcts  DuplrL-Urrbnnd-Lokomoliuc,  1890.
Erbaut  von  der  Schweizer  Lolomottv-  und  Maschinenfabrik  Winterthur.

wird,  zumal  man  so  große  Leistungen  auch  einfacher,  nach  Art  der  alten  Giovi-Zwillingslokomotiven,
  hätte  erreichen  können.
Die  Lokomotive  von  Meyer,  diesem  seltsamerweise  1861  in  Belgien  patentiert  und
1873  auf  der  Wiener  Weltausstellung  unter  jenem  Namen  neu  vorgeführt,  ist  nichts
anderes  als  die  alte,  von  Meyer  neu  aufgeputzte  Semmeringlokomotive  „Wiener-Neustadt"
von  Günther.  Wie  bei  dieser  sind  auch  hier  zwei  unabhängige,  ganz  gleichartige  Drehgestelle ­
  angeordnet,  deren  Dampfcylinder  einander  zugekehrt  sind.  Im  Gegensatze  zu
Fairlie  ist  hier  aber  nur  ein  Kessel  mit  langen  Siederöhren  vorhanden.  —  Eine  bemerkenswerte ­
  neuzeitliche  Ausführung  der  sog.  Meyer-Lokomotive  findet  sich  auf  der  in  den
Abschnitten  „Schmalspurbahnen"  (S.  94)  und  „Oberbau"  (S.  155)  genannten  Wallückebahn, ­
  deren  Spurweite  (60  cm)  nur  wenige  Millimeter  größer  als  diejenige  der  viel
bewunderten  Festiniogbahu  in  Wales  (59  cm)  ist.  Ihre  Lokomotive  zeigt  völlige  Übereinstimmung ­
  mit  der  Günther-Lokomotive  vom  Jahre  1851,  wie  ein  Vergleich  der  Abb.  216
und  221  ohne  weiteres  erkennen  läßt.  Es  ist  daher  richtiger,  diese  Lokomotivgattung
mit  „Günther-Lokomotive"  zu  bezeichnen,  oder  doch  wenigstens  mit  Günther-Meyer.  Die
Lokomotive  der  Abb.  221  wiegt  dienstbereit  20  000  kg,  also  fast  genau  soviel  wie  die
Fairlie-Lokomotive  der  Festiniogbahn.  Sie  kann  anstandslos  mit  35  km/Std.  fahren;
gestattet  sind  freilich  nur  20  km.  Die  Hauptabmessungen  sind:

IX  28
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.