Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Die  Lokomotive.

und  so  wurde  dieser  Zahnradtrieb  später  auch  wieder  beseitigt  und  die  Engerth-Lokomotive
  durch  „Vierkuppler"  ersetzt.  Von  den  vier  gekuppelten  Achsen  besitzen  einige  eine
gewisse  Verschiebbarkeit  in  ihrer  Längsrichtung,  was  das  Durchfahren  der  Krümmungen
erleichtert.  Auch  die  neuesten  auf  der  Arlbergbahn  eingestellten  Lokomotiven  haben  vier
gekuppelte,  teilweise  verschiebbare  Achsen  nebst  einer  radial  verstellbaren  Laufachse.  Sie  befördern ­
  200  000  kg  schwere  Schnellzüge  auf  dieser  bis  3O°/ 00  geneigten  Bahn,  äußern
bis  10  000  kg  Zugkraft  und  durchfahren  die  vorhandenen  Gleisbögen  von  200  bis
250  in  Halbmesser  mit  42  km  Stunden-Geschwindigkeit.  Die  Engerth-Lokomotive  fand
seiner  Zeit  namentlich  auch  auf  französischen  Bahnen  Eingang,  sodann  in  der  Schweiz  u.s.w.
Sie  ist  für  alle  Zeiten  ein  Merkstein  im  Eisenbahnmaschinenwesen,  wie  es  „Globe"  und
„Planet"  zwanzig  Jahre  vorher  gewesen  waren.  Die  sinnreichen  Neubildungen,  die  sie
gezeitigt  hatte,  lenkten  den  Lokomotivbau  in  neue  Bahnen.  Nunmehr  gelang  es,  in  verschiedener ­
  Weise  kurvenbewegliche  Lokomotiven  von  großer  Leistungsfähigkeit  herzustellen,
die  die  Gleiskrümmungen  trotz  ihres  großen  Radstandes  leicht  zu  durchfahren  vermochten.
Sie  sind  seit  den  50er  Jahren  in  sehr  verschiedener  Weise  wiederholt,  namentlich  auch
in  Deutschland  und,  wie  vorstehend  schon  erwähnt,  in  Österreich  ausgeführt  worden.

221.  Kerbn,td-Teildrrlokomotive  der  Kleinbahn  Kirchlengern-Wallürilr,  1807,  Kanart  Günther.Meyer.
(60  cm  Spurweite.)

Eine  der  bemerkenswertesten  Lokomotiven  dieser  Gattung  ist  die  vorerwähnte
Fairlie-Lokomotive.  Schon  R.  Stephenson  hatte  1847  für  die  10 1 / 2  km  lange,  mit
1:28>/2  schärfster  Steigung  ansteigende  Rampe  der  Giovibahn  bei  Genua  sogenannte
Zwillingslokomotiven  geliefert,  das  sind  zwei  ganz  gleiche  Tenderlokomotiven,  die  mit
ihrem  Hinterkessel  gegeneinander  gestellt  und  hier  durch  einen  Drehbolzen  beweglich
verbunden  sind.  Fairlie  baute  unter  Anlehnung  an  diesen  Gedanken  und  unter  Verwertung ­
  der  vorgenannten  „Seraing"  eine  Doppellokomotive,  deren  Kesselanlage  zwar
zwei  Langkessel  mit  je  einer  Rauchkammer  und  Esse,  sowie  zwei  getrennte  Feuerbüchsen
besitzt,  aber  eine  gemeinsame  Feuerkiste  mit  den  beiden  Feuerthüren  an  einer  Langseite.
Die  Räder  einer  jeden  Kesselhälfte  sind  je  für  sich  in  einem  kurzen  Drehgestell  gelagert,
so  daß  die  Lokomotive  trotz  ihres  langen  steifen  Kessels  kleinere  Gleisbögen  zwanglos
durchfahren  kann,  wie  dies  im  Grundriß  der  Abb.  220  für  eine  Hundertmeterkurve  klar
dargestellt  ist.  Da  sich  hier  Räder  und  Dampfcylinder  gegen  den  Kessel  verdrehen,  so
müssen  die  Dampfzuleitungsröhren  mit  beweglichen  Gelenken  ausgestattet  sein,  die  große
Sorgfalt  in  Herstellung  und  Unterhaltung  erfordern.  Die  Fairlie-Lokomotive  hat  im
Auslande  (Rußland,  Mexiko,  Peru  u.s.w.)  vielfache  Anwendung  gefunden.  Auch  auf
der  im  1.  Abschnitt  beschriebenen  Festiniogbahn,  der  kleinsten  dem  öffentlichen  Personenverkehre ­
  dienenden  Schmalspurbahn  (59  cm  Spur),  sind  die  langen  Lokomotiven  dieser
            
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