Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 89. Die Preisbildung bei internationalem Handel. 9 
billiger ist und haben den niedrigen Preis zu wählen. Der höhere Preis 
kommt nicht weiter in Betracht. In dieser Weise können wir sämt- 
liche Preise der fertigen Güter sowohl für A wie für B berechnen. Damit 
ist aber die Nachfrage bestimmt. Wir wissen wieviel von jedem Gut 
in A und B nachgefragt wird und wir wissen damit auch, wieviel für 
die Befriedigung dieser Nachfrage von den verschiedenen elementaren 
Produktionsfaktoren in beiden Ländern in Anspruch genommen wird. 
Diese Mengen müssen nun bei Gleichgewicht mit den gegebenen Quanti- 
täten dieser elementaren Produktionsfaktoren in jedem der Länder 
übereinstimmen. Damit haben wir eine Zahl von Gleichungen, die der 
Zahl der unbekannten Preise der elementaren Produktionsfaktoren 
entspricht. Wir brauchen aber noch eine Gleichung, weil wir, wie gesagt, 
noch. einen unbekannten haben, nämlich den Wechselkurs. Diese 
neue Gleichung repräsentiert die Bedingung, daß A ebenso viel von B 
kauft, wie es nach B verkauft, daß also die Handelsbilanz sich in Gleich- 
gewicht befindet. Wir haben jetzt ebenso viele Gleichungen wie Mn- 
bekannte, und das Gleichungssystem ist also bestimmt. Da wir hier 
vorausgesetzt haben, daß jedes Land für sich einen festen Geldwert 
aufrechterhält, so sind auch sämtliche Preise absolut bestimmt. 
Damitist also die Natur der Preisbildung im internationalen Handel 
klargelegt 1). 
Diese Lösung ist ganz und gar auf dem Prinzip der Knappheit 
aufgebaut, d. h. es ist vorausgesetzt, daß die Produktionskosten in 
jedem einzelnen Falle bestimmt sind, sobald die Preise der elementaren 
Produktionsfaktoren gegeben sind. In denjenigen Fällen, wo eine Un- 
bestimmtheit der Produktionskosten vorkommt, müssen, wie wir wissen, 
supplementäre Prinzipien der Preisbildung zu Hilfe genommen werden, 
um das Problem bestimmt zu machen. Diese supplementären Prin- 
zipien modifizieren auch bei auswärtigem Handel das gewonnene Er- 
gebnis, ändern aber nichts in der wesentlichen Natur des Ursachs- 
zusammenhanges, der durch unser Gleichungssystem dargestellt wird. 
Die hier gegebene Lösung zeigt, wie bei auswärtigem Handel die Güter- 
preise einzig und allein durch das Prinzip der Knappheit bestimmt 
werden. Die Nachfrage nach fertigen Gütern im Lande A ist indirekt 
eine Nachfrage nach elementaren Produktionsfaktoren sowohl in A 
wie in B. Dasselbe gilt natürlich von der Nachfrage in B. Man erhält 
also eine Gesamtnachfrage nach Produktionsfaktoren in A und eine 
andere Gesamtnachfrage nach Produktionsfaktoren in B. Diese Nach- 
frage muß nun dadurch begrenzt werden, daß auf die verschiedenen 
Produktionsfaktoren hinreichend hohe Preise gesetzt werden. In dieser 
ı) Einer von meinen Schülern, Bertil Ohlin, nunmehr Professor in Kopen- 
hagen, hat zuerst in seiner Doktordissertation eine solche Lösung des Problems 
des internationalen Handels gegeben, und ich schulde dieser Arbeit sehr viel An- 
regung. Ich weiche jedoch im Text von seiner Darstellung ab. 
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