Full text : Theoretische Sozialökonomie

Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels.
aussetzung einer vollständigen Unbeweglichkeit der elementaren Produktionsfaktoren
 und einer mehr oder weniger vollständigen Beweglichkeit
 der fertigen Produkte gebaut, und hat dementsprechend ihre
eigentliche Aufgabe im Studium der ausgleichenden Wirkung des
Handels direkt auf die Preise der fertigen Produkte, und über diese
auf die Preise der elementaren Produktionsfaktoren gesehen. Eine
solche Auffassung des Problems ist aber keineswegs in der Natur der
Sache gegründet. Ein Austausch zwischen den beiden Ländern kann
auf allen Stufen von den elementaren Produktionsfaktoren bis an die
fertigen Güter stattfinden, und dieser Austausch hat überall eine gewisse
preisausgleichende Wirkung. Wenn diese Wirkung direkt die Preise der
elementaren Produktionsfaktoren trifft, so bewirkt sie auch indirekt
einen gewissen Ausgleich der Preise der mit ihrer Hilfe produzierten
fertigen Güter. Es bestehen nun, wie wir unten näher sehen werden,
charakteristische Unterschiede zwischen einem solchen Ausgleich in
der Richtung der Produktion und einem Ausgleich in entgegengesetzter
Richtung. Dieser ist schwächer als jener. Das Problem ist aber insofern
 symmetrisch, daß sämtliche Preise in demselben prinzipiell
dieselbe Stellung einnehmen. Das Problem der Preisbildung bei internationalem
 Handel weicht in dieser Beziehung nicht von dem Problem
der Preisbildung in einem isolierten Lande ab. Diese kann nun, wie wir
wissen, nur durch ein System simultaner Gleichungen dargestellt werden.
Dasselbe gilt deshalb notwendigerweise für das uns jetzt beschäftigende
Problem. Unsere Aufgabe ist also, den allgemeinen Charakter des
Gleichungssystems, das die Preisbildung bei internationalem Handel
repräsentiert, klarzulegen.
Wir müssen dabei davon ausgehen, daß der Handel zwischen den
beiden Ländern A und B zu einem Gleichgewicht gekommen ist, und
wir haben die Bedingung für das Bestehen dieses Gleichgewichts zu
untersuchen. Wir können dann, wie in unserer Behandlung des allgemeinen
 Preisbildungsproblems, die Preise der elementaren Produktionsfaktoren
 als unbekannte wählen. Wir haben jetzt zwei Reihen von
solchen Preisen, nämlich eine für das Land A und eine für das Land B.
Es kommt aber jetzt ein neuer Unbekannter hinzu, nämlich der Wechselkurs
 zwischen den beiden Ländern. Das Auftreten dieses neuen Unbekannten
 ist .es in der Tat, was die Preisbildung bei internationalem
Handel als ein selbständiges Problem kennzeichnet.
Denken wir uns nun vorläufig alle diese Unbekannten als gegeben,
so können wir die Produktionskosten und also auch die Preise der
fertigen Güter berechnen, sowohl unter Voraussetzung, daß sie in A,
wie daß sie in B produziert werden. Wir sehen dann für jedes fertige
Gut, welcher der niedrigere Preis ist. Wenn Überführungskosten in
Frage kommen, können wir diese Kosten im Preise der Importware anschlagen.
 Wir wissen dann, ob die Heimatware oder die Importware

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