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daß eine Vermehrung seines amerikanischen Effektenbe-
sitzes — der vorübergehende Erwerb in spekulativem In-
teresse kann hier ausscheiden — nicht zu erwarten war.
Belgien war in Rußland, Italien und Ostasien finanziell
zu sehr engagiert, um seinen Besitz amerikanischer Effekten
vermehren zu können, die Schweiz aber hatte sich mit der
im Verhältnis zu ihrem Kapitalreichtum großen Summe
amerikanischer Wertpapiere (100 Millionen Dollar) auf Jahre
hinaus gesättigt.
Die wachsende effektenkapitalistische Reserviertheit
der alten Welt gegenüber der Union beruhte indessen nicht nur
auf der anderweitigen finanziellen Inanspruchnahme der ex-
portkapitalistischen Länder Europas, sondern auch auf den ge-
rade vor dem Weltkriege in den Vereinigten Staaten herr-
schenden unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen. Denn
der kosmopolitische, um nicht zu sagen unpatriotische Cha-
rakter des Kapitals bringt es mit sich, daß dieser letzten
Endes politische Motive ebenso wenig wie heimatliche Be-
dürfnisse gelten läßt und stets dorthin strömt, wo es bei
größtmöglichster Sicherheit höchsten Zinsertrag findet. Das
europäische Kapital würde daher damals in noch stärkerem
Maße in die Union geflossen sein, wenn ihr Wirtschaftsleben
stabiler gewesen wäre,
Die andauernden Verfolgungen der Trusts indessen, die
mehr politischen als wirtschaftlichen Beweggründen ent-
Sprangen, entwerteten, wenn auch nur im Kurse, die Anteile
aller Gesellschaften, die Teile von Trusts bildeten, und
brachten eine noch nie dagewesene Unsicherheit in die
nordamerikanische Wirtschaft, besonders da der Tatbestand
der Ungesetzlichkeit mit jedem Wechsel in der Person des
Präsidenten bzw. Generalstaatsanwalts weiter gefaßt wurde.
Dabei war ein Ende dieser Verfolgungen um so weniger
abzusehen, als die kapitalistische Macht einiger Männer !)
von Jahr zu Jahr wuchs, so daß die Bundesregierung immer
neuen Anlaß fand, ihre Basis zu vernichten ?), Denn wie
Russel Sage von ihnen sagt: „The dominate, wherever they
choose to go. They can make and ummake any prosperity,
') Morgan beherrschte 1911 nach dem Wallstreet Journal ein Kapital
von 9300 Millionen Dollar, d. h. 5,3% des Nationalvermögens (177 Milliarden
Dollar). Das 1912 von den sechs führenden Männern der New Yorker
Bankwelt kontrollierte Kapital wurde auf 20 000 Mill Dollar, d.h. einNeuntel
des Nationalvermögens geschätzt. Es waren dies außer Morgan, Rockefeller
(Standard Oil Company), Jacob H. Schiff (Kuhn, Loeb &. Co.), James
Speyer (Speyer &. Co. ), Stillmann (National City Bank) und Baker (First
National Bank).
?*) Ende 1913 schwebten 49 Trustprozesse: 35 Zivil- und 14 Kriminal-
verfahren.