Seiten zahlreiche Opfer, darunter auch mehrere
Gendarmeriebeamte, forderten, bis am 13. Jänner 1919
der von der Laibacher Nationalversammlung und dem
Präsidium der Kärntner Landesregierung geschlossene
Waffenstillstand in Kraft trat. Diese Dezember- und
Jännerkämpfe mit ihrem Einsatz an Gut und Leben
seitens der heimattreuen Kärntner Bevölkerung, ihrer
Wehrformationen und Gendarmerie waren aber von
entscheidender Bedeutung für das künftige Schicksal des
Landes. Ende April 1919 erfolgte dann ein neuerlicher
Angriff der Südslawen auf der ganzen Front ohne vor-
herige Kündigung des Waftenstillstandes, erbitterte
Kämpfe waren die Folge. An diesen nahmen auch wieder
mehrere größere Gendarmerieabteilungen mit Maschinen-
gewehren hervorragenden Anteil, Die eingefallenen
Südslawen konnten fast vollständig aus den Gebieten um
Völkermarkt und Bleiburg vertrieben werden. Doch
schon im Mai kam es zu neuen Kämpfen, die bis zum
Bekanntwerden der Friedensbedingungen anfangs Juni
{919 andauerten. Diesen zufolge mußte das Abstimmungs-
gebiet von allen Kärntner Wehrformationen und auch von
der Gendarmerie geräumt werden. Nur in Klagenfurt konnte
sich eine Gendarmerieabteilung dank glücklicher und
geschickter Interventionen auch während der ganzen
Dauer der jugoslawischen Besetzung halten und versah
während dieser Zeit in der Stadt den Sicherheitsdienst
unter den schwierigsten Verhältnissen. In der Folge hatte
die Gendarmeriec den vier Kilometer breiten, neutralen
Streifen zwischen den beiderseitigen Demarkationslinien
besetzt zu halten und schließlich nach der am 10. Ok-
tober 1920 stattgefundenen Volksabstimmung nach dem
Beschluß der interalliierten Plebiszitkommission die
Wiederbesetzung des befreiten Abstimmungs-
gebietes durchzuführen.
Bestimmungsgemäß hatte die Ablösung der S. H. S.-
(‚endarmerie in der Zone I am 2, November zu be-
zinnen und am 5. November beendet zu sein. Hiezu
mußten aus den übrigen Bundesländern 400 Gendarmen
heigestellt werden, so daß: insgesamt 800 Gendarmen
für diesen Zweck in Klagenfurt und Villach bereit
standen. Der FEinmarsch in die verschiedenen Posten-
stationen wurde allerorts von der Bevölkerung freudigst
arwartet und feierlich begrüßt. ;
Die zweite vielfach in militärisches Gebiet fallende
Aufgabe der österreichischen Bundesgendarmerie war
der Grenzschutzdienst gegen Ungarn, bzw. das
Burgenland und schließlich die Besetzung dieses
‚üngsten Bundeslandes. Schon während der Vorverhand-
lungen über den Frieden von St. Germain entstanden
in Wiener-Neustadt die Anfänge des Landesgendarmerie-
kommandos für das Burgenland. Die Ausrufung der
Räterepublik in Ungarn und das Auftreten von Terror-
formationen in Oedenburg zwangen schon im Februar
1919, einen Grenzschutz mit einer eigenen Gendarmerie-
grenzschutzleitung in Wiener-Neustadt aufzustellen,
deren Wirkungsbereich schließlich auf das ganze nieder-
österreichische und steirische Grenzgebiet gegen das
Burgenland ausgedehnt wurde. Diese unter dem Kom-
mando des Gendarmerielandesdirektors Georg Ornauer
‘späteren Gendarmeriezentraldirektors) stehende Grenz-
schutzabteilung bildete den Kern der zukünftigen Bur-
vgenland-Gendarmerie. Ihr Stand von ursprünglich 400
vurde nach und nach auf 1000 erhöht. Die Gendarmerie-
»yeamten hatten während des Genzdienstes viel zu leiden.
Die Bevölkerung zahlreicher Grenzorte ertrug beider
allgemeinen Wohnungsnot die Finquartierung an‘ sich
ur ungern. So mußten die Grenzgendarmen, in Not-
ınterkünften untergebracht, meist aller Bequemlichkeit
;ntbehren, von den Familien getrennt, die teils in der
ılten Heimat verblieben waren, teils in anderen Orten.
ern von der Grenze mühselig Quartier gefunden hatten,
viele Monate hindurch ihren schweren Dienst versehen.
„renzzwischenfälle waren an der Tagesordnung, doch
zab es auch direkte Kämpfe mit bewaffneten Schmuggler-
»anden, die auch auf Seite der Gendarmerie blutige
Jpfer der Pflichttreue forderten. Zwei Jahre dauerte
lieser aufreibende Grenzschutzdienst, bis es zur Ueber-
ı1ahme des neuen Bundeslandes kommen konnte. In
lieser Zeit erstattete die CGrenzgendarmerie etwa
0.000 Anzeigen, 12.000 Personen wurden vorgeführt
ınd Millionenwerte an Schmugglergut im Vereine mil
ter Zollwache zustande gebracht.
Die Gendarmeriegrenzschutzleitung hatte aber während
lieser Zeit auch bereits alle Vorsorgen für die Auf-
;tellung des neuen Landesgendarmeriekommandos für
las Burgenland zu treffen. Am 28. August 1921 sollte
1ach den Weisungen der Militärkommission die Ueber-
1ahme des Burgenlandes durch die Gendarmerie hbe-
zinnen und am folgenden Tage nachmittags beendeı
‚ein. Bei diesen für Oesterreich hindenden Weisungen
nußte es bleiben, nachdem auch ein letzter Versuch
des damaligen Bundeskanzlers Schober, zur Sicherung
les Vormarsches der Gendarmerie im Hinblick auf die
yedrohlich lautenden Nachrichten Wehrformationen bei-
zugeben, an dem Widerstande der Fintente gescheitert
war. Die Gendarmerie rückte so tatsächlich allein am
Viorgen des 28. August 1921 in den vereinbarungsgemäß
‚orgesehenen elf Kolonnen, deren stärkste fast 400 Mann
ınd deren schwächste bloß 18 Mann zählte, von den
Ausmarschstationen in das Burgenland vor.
Während in den Vormittagsstunden der Finmarsch
ler Kolonnen durchwegs programmgemäß und ohne
störung erfolgen konnte, kam es dagegen in den ersten
Nachmittagsstunden und in den folgenden Tagen zu den
rsten Zusammenstößen und zu Feuergefechten
nit Freischärlern. Am 8. September kam es schließlich
1 dem Angriff auf Agendorf, wo 400 Gendarmen
‚standen. Es entwickelten sich an der Lisiere der Ort-
schaft lebhafte Kämpfe mit Freischälern. Bald darauf
aber ertönten militärische Hornsignale und hinter den
"reischärlern marschierte die sogenannten Osztenburge!
"ormation aus Oedenburg an. Da nach den strikter
Weisungen der Ententekommission bei der Landnahme
eder Kampf mit Militär zu vermeiden war, wurde
laraufhin von der Gendarmerie das Gefecht abgebrochen
ınd der Rückzug angetreten. Unter diesen Umständen
wurde am 9. September die Weisung zur Räumun#
ıller Stationen des Burgenlandes gegeben und die Gen-
larmerie an die niederösterreichisch - burgenländisch“
ırenze zurückgezogen.
Auf Grund des Protokolles von Venedig kam €
ichließlich am 13. November 1921 zur zweiten Besel
zung des Burgenlandes, die diesmal richtigerweis“
zom Bundesheer durchgeführt wurde, wohei hesolr