4 bis 8 Uhr erweitert. Vorträge über die Bestände
der Nationalbibliothek und deren rasche und beste
Ausnützung wurden zur Einführung in die Benützung
der Nationalbibliothek eingeführt und in den Winter-
monaten der Jahre 1020/21 regelmäßig gehalten. Die
Eröffnung des Zeitschriftenlesesaales im Jahre
[922 und sein Offenhalten in den Stunden von 9 bis 3
und von 4 bis 8 Uhr abends kam dem schon lang
empfundenen Bedürfnis entgegen, an einer Stelle in
Wien die wissenschaftlichen Fachzeitschriften in einer
größeren Vollständigkeit jedem Leser zur raschen und
ınbeschränkten Einsicht vor dem Binden eines ganzen
Jahrganges zu bieten. Die Frequenz aller Lesesäle
st auch dementsprechend allgemein gestiegen,
jene des Druckschriftenlesesaales allein von 1.739 Lesern
im Jahre I019 auf 51.841 Benützer im Jahre 1927. Auch
der wesentlich erweiterte Ausleihverkehr erreichte eine
Erhöhung von 2000 Bänden im Jahre 1918 auf 18.584
Bände im Jahre 1927. Die gesteigerte Inanspruchnahme
der Bestände der Nationalbibliothek in den Lesesälen
and im Ausleihverkehr verlangt auch eine erhöhte Für-
sorge für die Konservierung der Bücher und
Sammlungsobjekte; sie wird vor allem von
dem eigens dazu vorgebildeten ständigen Buch- und
Handschriftenrestaurator mustergültig besorgt. Die
besondere Konservierung der wichtigsten Stücke der
gebrechlichen Papyri in den beiden Papyrusabteilungen
der Nationalbibliothek konnte dank der materiellen
Unterstützung von seiten der Wiener Akademie der
Wissenschaften durch den darin besonderen Ruf
genießenden Restaurator der Berliner Museen Dr. h.c.
Ibscher in die Wege geleitet werden.
Um die wertvollen Handschriften, besonders jene
mit den kostbaren Buchmalereien, deren die
Nationalbibliothek tausende zu besitzen das Glück
hat, auf die Dauer vor vernichtender Abnützung zu
schützen, ohne ihre Benützung zum Schaden der
Forschung wesentlich einschränken zu müssen, wurde
mit dem systematischen Durchphotogra-
phieren ihres Bild- und datierten Schrift-
materials für die Zwecke der Benützung begonnen.
Zu diesem Zweck hat auch die Nationalbibliothek in
den Jahren 1920/21, ohne staatliche Hilfe in Anspruch
zu nehmen, sich ein Reproduktionsatelier ge-
schaffen, das, auch mit der Apparatur zur Wieder-
gabe der sogenannten Palimpseste mit Hilfe der ultra-
violetten Strahlen ausgestattet, nun alle Ansprüche
der wissenschaftlichen Forschung zu befriedigen ver-
mag, bedient von einer Kraft, die sonst zur Ueber-
wachung auswärtiger Photographen bei Benutzung
jener, begreiflicherweise meist sehr wertvollen Objekte
verwendet werden müßte. Das eigene Atelier setzt
die Bibliothek außerdem in die Lage, sich die nötigen
Photographien für den Auskunftsdienst, für den
Tausch und für die Konservierung der Objekte billigst
zu beschaffen und die heimischen Forscher, aber
auch die reiferen Studenten durch billigere Beschaf-
ung der sonst teuren, ja für sie unerschwinglichen
teproduktionen zu unterstützen.
Veber den engeren Kreis der unmittelbar im Hause
arbeitenden Leser hinaus hat die Nationalbibliothek,
'n den letzten zehn Jahren ihre Schätze in einer großen
ZAeihe von Publikationen über und aus den
Zeständen der Nationalbibliothek weitesten
Kreisen der Forschung zu erschließen begonnen.
An solchen Veröffentlichungen, welche entweder
‚on der Generaldirektion der Nationalbibliothek amt-
ich durchgeführt oder im deren Auftrag von An-
zehörigen des Hauses verfaßt wurden, bzw. von wissen-
;chaftlichen Beamten der Nationalbibliothek infolge
»rivater Arbeit sowie von den an den Beständen der
Vationalbibliothek arbeitenden Fachleuten im Drucke
ırschienen sind, seien folgende genannt:
Tietze,H.: Die Entführung von Wiener Kunstwerken nach
talien. Eine Darlegung unseres Rechtsstandpunktes (1919). -
3mital, O.: Die Hofbibliothek (1920; in: Zimmermann-Hand-
irsch-Smital, Die beiden Hofmuseen und die Hofbibliothek. —
Museion. Veröffentlichungen aus der Nationalbibliothek in
Wien (120 ff.): Programmbuch des Museion (1920). I. Abhand-
ungen: Bd. 1: Bick, J.: Die Schreiber der Wiener griechischen
Tandschriften (1920); Bd. 2: Schwarz, A. Z.: Die hebräischen
Tandschriften der Nationalbibliothek (1925). II. Mitteilungen:
3d. 1: Lach, R.: Zur Geschichte des Gesellschaftstanzes im
:8. Jahrhundert (1920); Bd. 2: Kidrie, F.: Bartholomaeus
sorgjevic. Biographische und bibliographische Zusammenfassung
1920); Bd. 3: Stix; A.: Die Aufstellung der ehemals kaiserlichen
zemäldegalerie in Wien im 18. Jahrhundert (1922); Bd. 4: Koch, F-
3Zurgtheaterbriefe, Aus der Autographensammlung der National-
dibliothek (1922). IN. Erstausgaben und Neudrucke: Bd. 1:
Lorris, Guillaume de: Der Roman von der Rose. Uebersetzt
von H. Fährmann, neubearbeitet von J. Gregor. Erläuternder
Text von E. Winkler (1921); Bd. 2: Teutsche. Arien."
Jod. ms. 12.706 bis 12.709 der Wiener Nationalbibliothek, mit
linleitung und Anmerkungen herausgegeben von M. Pirker
. Bd. (1027).
Anläßlich des 200jährigen Jubiläums des Biblio-
heksbaues am Josefsplatze im Jahre 1926 gab die
"eitung der Nationalbibliothek eine „Festschrift der
Nationalbibliothek in Wien” heraus, an der 43 der-
zeitige und ehemalige wissenschaftliche Beamte des
‚Tauses mitgearbeitet haben.
Als Ergebnis der Katalogisierungsarbeiten der
Druckschriftensammlung wurden veröffentlicht:
„Verzeichnis der Handbibliothek des Druckschriftenlesesaales
ler Nationalbibliothek in Wien” (1923). „Nachträge” I bis IV
1924 bis 1927). „Zuwachsverzeichnis der Druckschriften der
Nationalbibliothek in Wien” (1923ff.; bisher 4 Bände). „Vor“
ichriften für den Schlagwortkatalog der Nationalbibliothek ir
Wien”, mit einer Einleitung von F. Koch (1924). U
Den Rahmen für die Druclegung der in Vorbereitung be-
zriffenen Fortsetzung der Kataloge der Handschriften samP”
lung soll die von der Leitung der Nationalbibliothek unter!”
ı10mmene Publikaktion „Handschriftenverzeichnisse österreich!
scher Bibliotheken”, herausgegeben von O. Smital, bilden, vo?
welcher Kärnten I, von H. Menhardt (1927), erschienen ist. Als
jpezialkatalog über Bestände der Handschriftensammlung erschie?
‚Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der National-
wibliothek in Wien” (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierte”
landschriften in Oesterreich, Neue Folge). Band I 1923, II 1920-
LT 41927, V, 1. Teil 1928: alle bearbeitet von H. J. Herman?