Leistungsprüfungen an der Bundeserziehungsanstalt
für Mädchen in Wien XVIL
zum Turnunterricht, und werden daher von den Fach-
lehrern geführt. An der Führung der Wanderungen ist
aber der ganze Lehrkörper beteiligt. Beide Einrichtungen
haben sich bereits eingelebt, obgleich große sachliche
Schwierigkeiten zu überwinden waren. Auch im Mittel-
schulturnen wurde der ältere Grundsatz des Fertigkeits-
turnens endgültig überwunden, man versteht dort unter
Schulturnen nicht mehr nur die Gerätekunststücke, sondern
auch alle Arten von Freiluftübungen. Das Turnen ist hy-
zienisch und pädagogisch eingestellt. In enger Verbindung
mit den Turnübungen steht daher auch die hygienische Be-
lehrung. Die verbesserten Methoden des Unterrichtes wirken
3ich in einer gesteigerten körperlichen Leistungsfähigkeit
der Mittelschüler- und schülerinnen aus. Das zeigt sich
auch in den Leistungen bei den jährlichen großen Mittel-
schulfesten, an denen ungefähr 10.000 Schüler teilnehmen.
Gleichlaufend mit der inneren Umgestaltung des
Unterrichtes setzte die Vorsorge für die Turnräume
sin. Zahlreiche Turnsäle wurden verbessert, mit Wasch-
räumen und neuen Fußpuden versehen, mit Geräten
ausgestattet, einige neue Turnsäle wurden gebaut. Die
Reinlichkeit der Säle, die nur in Turnschuhen betreten
werden dürfen, ist fast überall mustergültig. An vielen
Schulen konnten die Schulhöfe für das Turnen im
Freien hergerichtet werden. Fine größere Anzahl von
Spielplätzen wurde vom Bunde gebaut, so daß in abseh-
barer Zeit die äußeren Hindernisse für die Einführung
der täglichen Turnzeit nicht mehr bestehen werden. Die
Ausbildung der Turnlehrkräfte für die Mittel-
schulen wurde auf ein achtsemestriges Vollstudium an den
Universitäten erweitert. Die Aufgabe der Ausbildung
leisten die Universitätsinstitute für Turnlehrerausbildung
in Wien, Graz und Innsbruck. Die Lehramtsprüfung kann
nur in Verbindung mit einem zweiten, wissenschaftlichen
Fach abgelegt werden. Die Aufsicht über das Mittelschul-
turnen wird von eigenen Fachinspektoren für den Turnun-
terricht ausgeübt, die zum Teil hauptamtlich angestellt und
zugleich als Turnberater für die Volksschulen tätig sind.
Der schulärztliche Dienst an den Volksschulen
ist im ständigen Ausbau, an den Mittelschulen ist er
allgemein eingeführt; das Unterrichtsministerium hat
auch Vorschriften für den schulärztlichen Dienst erlassen.
An einzelnen Mittelschulen sind Schulärzte tätig, die
zugleich Turnlehrer sind; sobald in Zukunft mehr der-
artige Kräfte zur Verfügung stehen werden, wird die
Spielplatz „Auwiese” der Bundesmittelschulen im Wiener
Augarten. Umkleidehaus
Jurchdringung ärztlicher und pädagogischer Gesichts-
yunkte in der körperlichen Erziehung sich noch voll-
;tändiger vollziehen.
Körperliche Erziehung der Schulentwach-
senen.
Körperpflege und Leibesübungen bieten auch außer-
1alb der Schule ein mächtiges Arbeitsfeld. Die nicht zu
ınterschätzende staatserhaltende Funktion, die einer
zeregelten und fachlich geführten Jugendpflege zukommt,
vird heute bereits allgemein anerkannt. Es mußte daher
las Ziel des Bundesministeriums für Unterricht sein, durch
Sicherstellung einer harmonischen Ausbildung des Körpers
ınd des Geistes bei beiden Geschlechtern, und zwar auch
‚ür Schulentwachsenen, die Lebens- und Arbeitsfreude
zu heben und damit die Leistungsfähigkeit des Einzelnen
ınd der Gesamtheit der Bevölkerung zu steigern. Die
;stete Förderung der Tätigkeit der Spitzenorganisationen
auf diesem Gebiete und die Bewilligung von Bundes-
ınterstützungen für die Errichtung von Spielplätzen und
Turnhallen haben wesentlich dazu beigetragen, daß in
Österreich im Laufe der letzten Jahre über 300 Vereins-
5pielplätze und gegen 150 Vereins-Turnhallen erbaut
verden konnten. Hand in Hand damit gelangten in den
„‚andeshauptstädten periodische Fortbildungskurse für
Curn-, Spiel- und Sportwarte zur Durchführung. Beson-
leres Augenmerk wurde der organischen Entwicklung
les Jugendwanderns zugewendet. So bedeutet die
Errichtung einer Groß-Jugendherberge in Wien einen
sewaltigen Fortschritt.
Pensionat Strebersdorf, Sportfest 1025