Persönlichen Weltanschauung geboten werden und
ein Kulturumblick, der sie zur Anteilnahme und
künftigen Mitarbeit an der deutschen Kultur befähigt.
Deren gegenwärtigen Zustand, deren Werdegang
und geschichtliche Voraussetzungen, deren Werte und
Ziele zu kennen, ist für jeden unerläßlich, der künftig
mit weiterem Blick und in verantwortungsvoller Weise
seinem Volk und seinem Staate dienen soll.
Durch das Mittelschulgesetz ‚von 1027 und die Lehr-
Dläne von 1928 schließt für die Mittelschule ein Jahr-
zehnt ab, in dem sich im organischen Aufbau des Erbes
der Vergangenheit dank der gründlichen Durcharbei-
‘ung aller Probleme durch die wissenschaftliche Pä-
dagogik, Psychologie und Jugendkunde sowie dank
der unermüdlichen praktischen Arbeit der Lehrer-
Schaft ein neues Idealbild der gesamten Arbeit in
der Schule entwickelt hat. Die allseitige Ausbildung
der heranwachsenden Persönlichkeit fordert neben
der Wwissenschaftlichen Schulung, der Anleitung zu
Seordnetem Beobachten, klarem Urteilen und sicherem
Schließen, zu strenger Sachlichkeit und Wahrhaftig-
keit auch technisch-künstlerische Erziehung, Schulung
im Gebrauch der allgemeinsten Mittel des Ausdrucks
und der Verständigung, der Darstellung und Ge-
Staltung: Sprache, Schrift, Zeichnen, Musik und Hand-
arheit gewinnen unter dem Gesichtspunkt der Aus-
druckskultur ganz neue Bedeutung. Kunsterziehung
Soll die Schüler empfänglich machen für die großen
Leistungen der Kunst des Wortes, des Tones und
der bildlichen Gestaltung. Neben der Geistesschulung
ıindet die körperliche Erziehung ihren ebenbürtigen
Yatz. Sie steht zunächst im Dienste der Ausbildung
nes gesunden, leistungsfähigen und gewandten
Cörpers, sie hat aber auch als Schulung im beherrsch-
en und ebenmäßigen Ausdruck und in der Ver-
einerung der Bewegungen des Körpers enge Beziehun-
zen zur künstlerisch-technischen Erziehung, sie hat
als Anleitung zur Hilfsbereitschaft, zum Gemeinsinn
ınd zu bewußter Einfügung in die Gemeinschaft enge
beziehungen zu den verschiedenen Aufgaben der sitt-
ichen Erziehung. |
Das erste Jahrzehnt des Bestandes der Republik
“Isterreich war für die Mittelschule eine Zeit innerer
ınd äußerer Neuformung. Mit gefestigtem Aufbau
ınd klarem Programm kann sie im zweiten Jahrzehnt
ın ihre Aufgabe der staatsbürgerlichen Erziehung
ıerantreten und dafür sorgen, daß ihre Schüler treue
ınd tüchtige Bürger der Republik Österreich werden,
lie den Einrichtungen und Gesetzen ihres Vaterlandes
nit Verständnis und Achtung gegenüberstehen. Sie wird
hre Schüler zu Gesetztreue, Gerechtigkeit und Billigkeit
n allen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen gegen-
iber dem Staate und den Mithürgern erziehen, sie
ıuch die wahre Bestimmung des Berufes begreifen
assen als des Anteiles an Arbeit, den jeder Staats-
»ürger nach seinen Fähigkeiten zu übernehmen
ınd mit dem Bewußtsein der Verantwortung gegen-
iber der Gesamtheit zu leisten. verpflichtet ist
DIE ÖSTERREICHISCHEN BUNDESERZIEHUNGSANSTALTEN
Als die Österreichisch-ungarische Monarchie nach langem
teldenmütigen Kampfe zusammenbradcı und die
aufgelöst in die verschiede-
Men Länder zurücflutete,
löste sich auch in den mili-
rischen Bildungsanstalten
die Ordnung auf. Die nicht-
deutschen Zöglinge und
Offiziere fuhren in ihre
Heimat, viele Offiziere wur-
den zum Verlassen ihrer
osten SeZzwungen, was von
den Zöglingen noch übrig
War, blieb in den in Auf-
lösung begriffenen Anstal-
ten fast ohne Aufsicht zu-
Tück, Die erste deutsch-
“Sterreichische Regierung
Veranlaßte schon im Herbst
N die Zusammenziehung
ser Zöglinge in einige . _
Yenige Militäranstalten . die Übernahme des Unter-
“chtes durch Zivillehrer. So entstanden die sogenannten
taatsstiftungs-Realschulen”, die auf Grund eines Sp
Sgslehrplans für Realschulen mit Fnde des
‘ahres 1918/19 die ältesten der Militärzöglinge als Real-
:chulabiturienten entließen. Im Juli 1919 wurden diese
Anstalten in „Staatserzie-
hungsanstalten“ umgewan-
delt und unmittelbar dem
damaligen Unterrichtsamte
unterstellt. Fs waren dies
die ehemaligen Militärer-
zichungsanstalten in Wien
Breitensee), Traiskirchen,
Wr.-Neustadt und Liebenau
sei Graz und das „Offiziers-
‚Öchtererziehungsinstitut” in
(dernals (Wien) ; dazu kam
das schon in der Monarchie
geführte staatliche „Zivil-
nädchenpensionat” inWien.
Die Staatserziehungsan-
italten sind aus dem Ge-
danken heraus entstanden,
daß über den Zusammen-
bruch hinaus vor allem das geistige Kapital erhalten
werden müsse, welches in den Kindern des Landes liegt.
Wohl hatte Alt-Österreich sein hochentwickeltes höheres
schulwesen, welches diesem Zwecke diente. Aber durch die
Zöglingstischlerei