Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

lichkeiten Oesterreichs durchführen ließ. Diese Fr- 
hebungen haben sich auch eingehend mit der öster- 
reichischen Land- und Forstwirtschaft beschäftigt und 
unter anderem auch aufgewiesen, daß es für Oester- 
reich ein großes Glück bedeutet, ein vorwiegend 
Landwirtschaft treibendes Land zu sein, dem in diesem 
Produktionszweige noch große Entwicklungsmöglich- 
keiten offen stünden. Die Erstarkung der österreichi- 
schen Landwirtschaft hat es auch mit sich gebracht. 
daß sie nicht nur im Inlande Geltung und Aner- 
kennung fand, sondern daß ihr auch durch das Aus- 
land die entsprechende Würdigung zuteil wurde. FE: 
darf wohl als ein besonderes Zeichen dieser Aner- 
kennung angesehen werden, daß die internationale 
landwirtschaftliche Kommission in Paris, eine Ver- 
einigung der größten landwirtschaftlichen Organisati- 
onen Europas ihre erste selbständige, das heißt von 
Agrarkongressen losgelöste internationale Konferenz 
ihrer Körperschaften im Jahre 1028 in Wien abge- 
halten und die Vorbereitung und teilweise Durch- 
führung dieser Veranstaltung der Präsidentenkonferenz 
der landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften über- 
iragen hat. Der glänzende Verlauf dieser Tagung, bei 
der die ersten repräsentativen Persönlichkeiten der 
europäischen Landwirtschaft die Fortschritte und Ver- 
dienste der österreichischen Landwirtschaft gewürdigt 
haben, hat unwiderlegbar bewiesen, daß Oesterreichs 
Landwirtschaft volle internationale Geltung erlangt hat. 
Der österreichischen Land- und Forstwirtschaft ist 
aber naturgemäß vor allem darum zu tun, mit der 
reichsdeutschen Land- und Forstwirtschaft engste 
Beziehungen zu unterhalten, welche auch tatsächlich 
durch die Annäherung der Präsidentenkonferenz der 
'andwirtschaftlichen Hauptkörperschaften an den Deut- 
schen Landwirtschaftsrat, sowie durch die enge 
Fühlungnahme zwischen dem österreichischen und 
reichsdeutschen landwirtschaftlichen Genossenschafts- 
wesen hergestellt wurde. Es sind dies vorbereitende 
Schritte, um vorerst die wirtschaftliche Annäherung 
Oesterreichs an Deutschland durchzuführen. Glück- 
licherweise kann festgestellt werden, daß bei solchem 
Anschluß die beiderseitigen Landwirtschaften nicht 
nur keinen Abbruch erleiden, sondern wechselseitige 
Förderung erfahren würden, da eben in den ein- 
schlägigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht das 
Moment des Widerspruches und der Konkurrenz, 
sondern der Ergänzung gegeben erscheint. 
Es ist hier wohl auch am Platze, jener hervorragen- 
den österreichischen. Landwirte aus den Reihen der 
landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften zu gedenken, 
die bei dem Wiederaufbau der Land- und Forstwirt- 
schaft Führerrolle innehaben. Es ist dies in erste 
Linie der Präsident der niederösterreichischen Landes- 
Landwirtschaftskammer, der gleichzeitig auch die 
Stelle eines Präsidenten der Präsidentenkonferenz der 
landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften bekleidet, 
Landeshauptmannstellvertreter Josef Reither, eine 
Persönlichkeit von außerordentlicher Tüchtigkeit und 
anbeugsamer Energie, der vor allem die niederöster- 
reichische Landwirtschaft ihre beispiellose Entwicklung 
zu verdanken hat. In Oberösterreich sind es zwei 
hervorragende Männer, die hier in erster Linie zu 
nennen sind: der Präsident des oberösterreichischen 
_andeskulturrates Landesrat Kreilmeir und der 
J)bmann des landwirtschaftlichen Ausschusses des 
’arlamentes Nationalrat Födermayr, der insbeson- 
lers im Nationalrate in Vertretung der Interessen der 
österreichischen Landwirtschaft sich außerordentliche 
Verdienste erworben hat. In Steiermark ist es Prä- 
ident Kandler von der steiermärkischen Land- und 
/orstwirtschaftskammer, ‘der die steirische Landwirt- 
ichaft bei ihrem Aufstieg führt. Der Vizepräsident 
lieser Kammer Hartleb, der sich gleichfalls um den 
andwirtschaftlichen Wiederaufbau große Verdienste 
arworben hat, bekleidet derzeit die Stelle eines Vize- 
sanzlers in der Bundesregierung. In die Regierung 
wurde übrigens noch eine weitere Persönlichkeit aus 
len Reihen der landwirtschaftlichen Hauptkörper- 
‚chatten berufen, nämlich der gewesene Präsident des 
Tiroler Landeskulturrates, Andreas Thaler, ein 
‚iroler von echtem Schrot und Korn, dem die öster- 
'eichische Land- und Forstwirtschaft vor allem die zu 
:hren Gunsten vorgenommene Revision unseres auto- 
ı10men Zolltarifes und unserer Handelsverträge ver- 
lankt. Derzeit leitet den Tiroler Landeskulturrat 
Präsident Reitmeier, eine energische, kluge, in den 
Landesverhältnissen sehr bewanderte Persönlichkeit. 
{[n Vorarlberg sind Präsident Hillbrand und Vize- 
präsident Winsauer zu nennen, zwei Männer, die 
es verstanden haben, die Vorarlberger Landwirtschaft 
dem schweizerischen Niveau fast vollständig anzu- 
nähern. In Salzburg hat Präsident Hölzl, ein hervor- 
ragender Kenner der landwirtschaftlichen Verhältnisse 
seines Landes, den Wiederaufbau der Landwirtschaft 
arfolgreich durchgeführt. In Kärnten ist es Präsident 
Supersperg, eine mit tiefer Fachkenntnis und mit 
nustergültiger Objektivität ausgestattete Persönlichkeit, 
die das durch die Kriegsverhältnisse und den Friedens- 
schluß schwer betroffene Land wieder besseren Zeiten 
zuführt. Schließlich ist noch als Vertreter der burgen- 
ländischen Landwirtschaftskammer, welche erst in den 
letzten. Jahren geschaffen wurde, Präsident Kugler 
zu nennen, ‚der als burgenländischer Bauer unter den 
schwierigsten Verhältnissen die Demokratisierung und 
“ntwicklung der burgenländischen Landwirtschaft 
‚eitet. Vom landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen, 
das den Tandwirtschaftlichen Hauptkörperschaften eng 
angeschlossen ist, sind vor allem zwei Persönlichkeiten 
hervorzuheben: der hochbejahrte Nestor des land- 
wirtschaftlichen Genossenschaftswesens Oesterreichs, 
Prälat Bauchinger, der auch dem Allgemeinen Ver- 
band landwirtschaftlicher Genossenschaften Oester- 
reichs, der zentralen Interessenvertretung aller öster- 
reichischen Genossenschaftsverbände vorsteht, ferner
	        
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