auf das schwerste beeinträchtigt, in manchen Gebieten
aber überhaupt in Frage gestellt war, wurde vor allem
zur Erzielung eines einheitlichen Vorganges in der Tierseuchenbekämpfung
auf ein tatkräftiges Zusammenwirken
der behördlichen Organe mit den landwirtschaftlichen
und anderen Interessentenkreisen hingearbeitet. Bei
Einleitung und Durchführung der veterinärpolizeilichen
Maßnahmen mußte natürlich strenge vermieden werden,
weitgehende Hemmungen des Viehverkehres herbeizuführen,
um die mißliche Lage der Volkswirtschaft und
Approvisionierung nicht noch mehr zu verschärfen.
Während sich die eigentliche Betätigung der Veterinärverwaltung
in der ersten Nachkriegszeit zunächst auf
die Bekämpfung der herrschenden Tierseuchen zu erstrecken
hatte, mußten bald in Anbetracht des stets zunehmenden
Verkehres mit Tieren und tierischen Rohstoffen
aus dem Auslande nach und durch Österreich
zur Hintanhaltung von Seucheneinschleppungen umfang-:eiche
organisatorische Maßnahmen in Angriff genommen
werden. Vor allem wurde nachdrücklichst dahin gewirkt,
über den Stand der Tierseuchen im Auslande Kenntnis
zu erlangen und den wegen der eingetretenen politischen
Umwälzungen zerstörten amtlichen Tierseucdhennachrichtendienst
nicht nur mit den benachbarten Auslandstaaten,
sondern mit allen für den Verkehr mit Tieren und tierischen
Rohstoffen nach und durch Österreich in Betracht
kommenden Ländern in entsprechende Bahnen zu lenken.
Der wichtige Tierseuchennachrichtendienst ist mit
fast allen enropäischen Staaten geregelt und hiedurch
lie Möglichkeit geschaffen worden, die zur Verhinderung
ler Einschleppung von Tierseuchen nötigen veterinär->olizeilichen
Maßnahmen stets rechtzeitig anordnen zu
xönnen. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit wurde
der veterinärpolizeilichen Überwachung der Grenzen zugewendet
und der tierärztliche Grenzkontrolldienst in
allen österreichischen Grenzeintrittsstationen schrittweise
zweckmäßig ausgebaut. Es wurden überall eigene Grenzkontrolltierärzte
bestellt und mit den nötigen Instruktionen
versehen, so daß sämtliche in Österreich eintretende
Transporte von Tieren und tierischen Rohstoffen genauestens
revidiert werden. Gelegentlich des Abschlusses
von Handelsverträgen sind mit den Nachbarstaaten auch
verschiedene Veterinärkonventionen vereinbart worden,
in denen alle veterinärpolizeilichen Grundsätze festgelegt
erscheinen, nach welchen sich der zwischenstaatliche Verkehr
mit Tieren und tierischen Rohstoffen, und zwar
nicht nur der Import, sondern auch der Transit, der Grenzverkehr
und der Weideviehverkehr zu bewegen hat:
Von dem Rechte der Entsendung von Veterinärdelegierten
ist Österreichischerseits Gebrauch gemacht
worden, indem Veterinärdelegierte für das Deutsche
Reich in München, für Jugoslawien in Agram und für
Ungarn in Budapest exponiert wurden. Diese Institution
hat sich bisher als sehr vorteilhaft erwiesen. Die pflichtgemäß
unablässig geübte genaue Vorfolgung der Tierseuchenstandsverhältnisse
im Auslande hat sich im Zusammenhange
mit der Überwachung des internationalen
Viehverkehres zur Verhütung drohender Seucheneinschleppungen
als vorteilhaft erwiesen. Insbesondere mahnte
das Auftreten der Rinderpest in einigen europäischen
Staaten zur ganz besonderen Vorsicht. Diesfalls verdient
hervorgehoben zu werden. daß über Initiative der
;sterreichischen Veterinärverwaltung die Tagung einer
nternationalen Rinderpestkonferenz in Wien
:ustande gekommen ist, woselbst ein einheitliches Vorz;ehen
der beteiligten Staaten in der Ergreifung gemein-‘amer
Schutzmaßnahmen zur Abwehr und Bekämpfung
ler Rinderpest beschlossen wurde. Diese Beschlüsse
varen auch richtunggebend für die Beratungen auf der
päteren internationalen Tierseuchenkonferenz in Paris,
ıuf der auch Österreich vertreten war.
Um über alle Fortschritte auf dem Gebiete der Tiereuchenforschung
und -bekämpfung in den verschiedenen
Ändern unterrichtet zu sein, ist Österreich dem Überein-:‚ommen
über die Gründung eines internationalen Tiereuchenamtes
in Paris beigetreten, das die Aufgabe hat,
inen entsprechend funktionierenden internationalen
"ierseuchennachrichtendienst zu organisieren sowie alle
orschungsarbeiten, Erfahrungen und Vorschriften zur
jekämpfung der anstedkenden Tierkrankheiten zu
ammeln und den beteiligten Regierungen zur Kenntnis
u bringen.
Da eine rationelle Tierseuchenbekämpfung nur möglich
st, wenn hiefür die notwendigen Hilfsmittel, insbesonlere
einwandfreie. und preiswerte Impfstoffe in genüsender
Menge zur Verfügung stehen, ist der im Jahre
911 über jahrelange Forderung der Landwirtschaft
rrichteten Bundesanstalt für Tierseuchen-‚ekämpfung
in Mödling, deren Hauptaufgabe die
lerstellung von Tierimpfstoffen ist, die besondere Fürorge
der staatlichen Veterinärverwaltung zugewendet
vorden. Im Zuge der staatsfinanziellen Sanierung und
ler damit verbundenen Durchführung von Ersparungsnaßnahmen
in den staatlichen Ämtern und Anstalten
var auch die Fortführung dieses Institutes in Frage getellt.
Nach langwierigen Verhandlungen sind schließlich
littel und Wege gefunden worden, um seinen Charakter
Js Zweig der Hoheitsverwaltung zu wahren und die
Veiterbelassung als Bundesanstalt zu ermöglichen. Von
liesem Zeitpunkte an hat sich die in der Hand des
jundes verbliebene Anstalt, der die Station für Tiereuchendiagnostik
angegliedert worden war, zu einem
nstitute von internationalem Ruf entwickelt. Entprechend
dem erweiterten Wirkungskreise des Institutes,
:as für den gesamten Bedarf Österreichs an Tierimpftoffen
aufzukommen hat, waren umfangreiche Adaptieungen,
Um- und Neubauten erforderlich. Im Laufe von
O Jahren ist die Serum- und Impfstofferzeugung auf
nehr als das Doppelte angestiegen, so daß heute ein
zesamtquantum von etwa 12.000 Liter Serum produziert
vird. Durch die Tätigkeit der Bundesanstalt für Tier-‚euchenbekämpfung
werden der Landwirtschaft nebst den
yewährten Rotlaufimpfstoffen Maul- und Klauenseuche-'‚erum,
Milzbrand- und Rauschbrandimpfstoffe, Abortusakzine,
Geflügeldcholeraserum und verschiedene andere
mpfstoffe, Sera und Bakterienpräparate zugeführt, die
n den bedrohten Gebieten erfolgreich zur Seuchenekämpfung
beitragen. Auch die Zahl der Untersuiungen
zur Diagnosestellung oder Überprüfung von
Jiagnosen an eingesendeten Organen, Blutproben und
{ergleichen von seuchenkranken oder verdächtigen Tieen
hat sich von früher 2 bis 300 auf über 12.000 im
ahre erhöht. Die an der Bundesanstalt für Tierseuchen-‚ekämpfung
getätigte wissenschaftliche Forschung, welche