Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

nicht nur die Nutzlast der Wagen, das heißt ihr 
Fassungsraum vergrößert, sondern auch ihre Fahr- 
geschwindigkeit erhöht werden. Durch Erweiterung 
des früheren Fassungsraumes von 18 Personen auf 
35 bis 50 Personen wurde der Kraftwagen erst zu 
einem Massentransportmittel. Ungeachtet der Ver- 
größerungen des Fassungsraumes ließ sich die 
durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit von 13 bis I6 km 
auf 30—35 km steigern. Es wurde also sowohl die 
Fahrgeschwindigkeit als auch die Nutzlast 
verdoppelt, somit die Leistungsfähigkeit vervier- 
facht. 
Das Verkehrsbedürfnis auf Überlandlinien verlangt 
aber nicht nur die Erhöhung der Leistungsfähigkeit 
der Kraftfahrzeuge, sondern auch die Aufrecht- 
erhaltung des Betriebes im Winter, das heißt 
die Ermöglichung der Befahrung verschneiter, mehr 
oder weniger freigehaltener Straßenzüge. Zur Lösung 
dieser Aufgabe fanden zwei Systeme zunächst ver- 
suchsweise Verwendung: das schwedische System 
Nyberg, das auch von der Schweizer Postver- 
waltung bereits erprobt wurde, für Straßen mit ge- 
-ingerer Steigung und mit einer durch Schneepflüge 
vorgerichteten Fahrbahn. Dieses System arbeitet mit 
zwei über die Triebräder laufenden und durch diese 
belasteten Raupenbändern aus Kautschuk und er- 
laubt in gleicher Weise das Fahren auf verschneiter 
und schneefreier Straße. Die Abbildung zeigt einen 
mit einem solchen Kraftwagen im vergangenen 
Winter in den Radstädter Tauern unternommenen 
Versuch, der unter Verwendung eines stärkeren An- 
iriebmotors wiederholt wird. 
Das österreichische System Rantasa (Abb. auf Bild- 
tafel), auch für Straßen mit größerer Steigung 
geeignet, verwendet ein zwischen den Rädern des 
Kraftwagens gelegenes, besonders angetriebenes und 
gegen die Fahrbahn gepreßtes Raupenband, das mil 
Winkeleisen und Holz- oder Gummigreifern versehen 
ist. Für die Befahrung schneefreier Straßenstellen ist 
dieses System weniger geeignet. Unsere Abbildungen 
zeigen einen im Winter 1028 am Seeberg (Steigung 
ungefähr 22°%) unternommenen Versuch. 
Wurde so durch zielbewußte Verfolgung und Ver- 
wertung aller Errungenschaften auf dem Gebiete des 
Kraftwagenbaues der Postkraftwagen auf die Höhe 
der Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit ge- 
bracht, so läßt andererseits die Verwaltung kein 
Mittel ungenützt, um durch zweckentsprechende 
Organisation und durch eine wirksame Werbe- 
tätigkeit den Postkraftwagenverkehr zu 
heben und die Aufmerksamkeit des Reisepublikums 
auf ihn zu lenken. Werbeschriften (Faltblätter und 
ein Werbeheft) mit Bildern und kurzer Beschreibung 
der einzelnen Strecken werden teils unentgeltlich an 
die verschiedenen Verkehrsverbände abgegeben, teils 
öffentlich verkauft. In größerer Zahl werden diese 
Werbeschriften auch im Auslande (in französischer 
ınd englischer Sprache) und bei den bedeutenderen 
\usstellungen und Veranstaltungen unter das Publi- 
sum gebracht. Durch Radiovorträge, die mit reichem 
3ilderschmuck in der von der Ravag herausgegebenen 
Zeitschrift „Radio-Wien” erschienen, wurden ins- 
»esondere die Postkraftwagenlinien, die Österreichs 
Alpenwelt durchziehen, aller Welt vor Augen ge- 
führt. Über den Postkraftwagenverkehr in Tirol, im 
Lande Salzburg, sowie im Mariazeller- und im Groß- 
zlocknergebiet wurden Filmaufnahmen hergestellt, 
die in Lichtspieltheatern des In- und Auslandes, 
;owie bei größeren Ausstellungen vorgeführt wurden. 
Bewährt hat sich auch die Ausgabe von Fahrkarten 
ür Postkraftwagenlinien in Verbindung mit den zu- 
;ammenstellbaren Fahrscheinheften der Eisenbahnen 
Jurch das Österreichische Verkehrsbureau und die 
ıusländischen Reisebureaus. Ebenso werden durch 
die vollständige Übertragung des kommerziellen und 
verkehrstechnischen Geschäftes auf einzelnen Post- 
sraftwagenlinien an große Unternehmungen, die mit 
len örtlichen Verhältnissen und mit den Bedürf- 
ıissen des Reiseverkehrs besonders vertraut sind, 
zute Erfolge erzielt. Vermöge aller dieser Maßnahmen 
werden Einnahmen herbeigeführt, die es ermög- 
ichen, die Fahrmittel und Anlagen des Postkraft- 
ahrdienstes fortgesetzt zu erweitern und zu ver- 
nehren. Von 1026 auf 1027 wurde der Wagen- 
;tand um rund 100 Fahrzeuge vermehrt. 
Von 1925 auf 1927 wurden sieben neue Garagen 
zebaut und die Postkraftwagenwerkstätte in 
Wien erweitert, Sämtliche Instandsetzungen an den 
Kraftwagen, die durchaus österreichisches Erzeugnis 
verschiedener Firmen sind, werden in eigener 
iegie durchgeführt. Ebenso müssen Ersatzteile für 
Wagen verschiedener Typen, soweit sie bei dem 
Ärzeuger nicht mehr erhältlich sind, in den. eigenen 
Werkstätten hergestellt werden. Gegenwärtig steht 
än Wagenpark von 380 Personenkraftwagen mit 
ziner Jahresfahrtleistung von rund 6 Millionen Kilo- 
netern auf 180 Überlandlinien (davon 90 in Nieder- 
österreich, Steiermark und Kärnten, wo vor dem 
Kriege überhaupt keine Linien bestanden) mit einer 
Streckenlänge von zusammen 6000 km im Betriebe. 
Damit ist dem Ziele nähergerückt, das Land, soweit 
2» nicht von den Bahnstrecken zugänglich ist, durch 
zn zweckmäßiges Netz von Postkraftwagen- 
inien dem Verkehr zu erschließen. Bei dem Aus- 
jau dieses Netzes, das sich, wie die beigegebene 
Übersichtskarte der staatlichen Postkraftwagenlinien 
n Österreich zeigt, schon zu einem fast vollständigen 
Zusammenhang schließt, waren nicht nur die un- 
nittelbaren wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölke- 
ung Gegenstand der ÖObsorge, sondern es wurde 
uch besondere Rücksicht auf Österreichs Frem- 
lenverkehr genommen, indem getrachtet wurde, 
len Besuch der landschaftlich schönsten Teile
	        
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