Object: Der Brotwucher

Bom Arbeiter und Konfumentenjhuß. 29 
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idrer Autorität decken follte, übernehmen konnte. Wohl Hatten ihre Sach- 
perftändigen die Unverläßlichteit, um nicht zu Jagen: den Schwindel der 
von den Broterzeugern vorgelegten Kalkulation ziemlich Mar gemacht; 
aber vollitändig konnten fie ihn nicht aufdeden; der über die Buch- 
führung der Bäcker gebreitete Schleier war zu dicht und die Ge[häft2- 
geheimni{fe mehr oder weniger undurchjichtig. Der eine Bäcker behauptete, 
au® 100 kg Brotmehl 110 Laibe, der andere 112 zu erzengen; ein 
dritter weniger, ein vierter noch mehr. Diejfen genügen 92 dg für den 
Qaib, jener brachte fehon mit 86. dg einen Laib zuftande. DazZ hing ja 
auch von den Mehlkäufen, der Provenienz und Yualität des Roh 
produktes und anderen Momenten ab. Eine gemeinjame Formel, eine 
Schablone für alle aufzufjtellen, war {hier unmöglich; wollte man feinem 
Unrecht tun, dann Hätte man bei jedem ein Probebacken vornehmen 
müffen, um die für den fpeziellen Betrieb normalen Produktionskoften 
feftzuftellen. Darum’ mußte die Regierung die Verantwortung für die 
Brotpreiserftelung ablehnen. Bon ihrem Standpunkt tat fie MNug daran, 
dies um fo mehr, al8 fie fich einer Einheit3front der Broterzeuger gegen- 
über jah. Auch. die angebliG nicht nach Profit Hafhenden Bäckereien 
der Konjumbvereine ließen fie, da fie unter dem Diktat und Terror der 
Brotwucherer {tanden, in Stich. Auf wen alfo hätte fidh die Keaterung 
fügen jollen und Können? 
Angefichts der Haltung der Regierung jHäumten die Broterzeuger 
vor Wut. Wie? Man drängte fie unter daZ fchwebende Schwert des 
Damokles? Unter das Preistreibereigejeg ? Den natürlichen Ausweg aus 
der unerquicligen Situation: ehrlig zu Kalkulieren, verfhmähten die 
ehrjamen Meijter und ihre KompagnonZ. Denn das hHieße ja auf den 
Überprofit verzichten oder das NRifiko der Behandlung nach dem Preis- 
treibereigefjeße auf fich zu nehmen; aljo drohten fie mit Betriebszeinftellung 
und riefen unentwegt nach amtlig beglaubigten Kalkulationsbehelien, 
nad) einem Marximaltarif, nach einem Höchftpreis. 
Dabei war e8 nun das Charakteriftijche, daß die privilegierten 
Konfumentenretter am autejten danach fAOrien. Zwar Hatte Dr. Ditv 
Bauer in feiner 1910 erfchienenen Schrift „Die Teuerung“ vor dem 
unzulänglidgen Balliativmitteldhen gewarnt; ebenjo Dr. Karl Renner 
{in der „Volkstribüne“ vom 10. Jänner 1915). Sie legten dar, daß die 
TFeftjeBung von Höchftpreifen für den Detailverfchleiß ein Selbftbetrug 
ijt. Das hielt aber eine demagogijche Konfumentenvertretung — wer 
fennt nicht die liebliHe Dauame, die oft auch irgendein Mandat (neben 
einigen Berwaltunasrataitellen und anderen Böftchen) al Teigenblatt
	        
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