Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

der notwendigen Ueberschreitungen der Budgetansätze 
vorgelegt erhält; auch wurde für die Vorberatung 
des Voranschlages‘ und des Rechnungsabschlusses 
insoferne eine Vereinfachung eingeführt, als sie vom 
Finanzausschuß und Stadtsenat in gemeinsamer 
Sitzung beraten werden. 
Wie jede Verfassung, kann auch die Verfassung der 
Zundeshauptstadt Wien nur den Rahmen für: die 
materielle Gesetzgebungs- und Verwaltungstätigkeit 
bilden. Sie ist aber so gestaltet, daß hiefür die weiteste 
E.ntfaltungsmöglichkeit im Rahmen der Bundesver- 
‘assung gegeben ist. 
DIE WIENER STADTVERWALTUNG VON 109018 BIS 1928 
Von Karl Honay, Sekretär des deutschösterreichischen Städtebundes. 
Grundlegende Aenderungen haben sich im Wiener 
Rathaus seit dem Jahre 1918 vollzogen. Verfassung und 
Verwaltung wurden auf völlig neue Grundlagen gestellt. 
bürgerlichen Demokraten 1. Von den 630 Wiener 
Bezirksvertretungssitzen entfielen 339 auf die Sozial- 
demokraten, 104 auf die Christlichsozialen, 41 auf die 
Kinder-Heilstätte Wilhelminenberg, Tagraum 
Vor allem ist die Zusammensetzung des Wiener 
Gemeinderates geändert worden. Bis zum 3. Dezember 
1918 bestand diese Körperschaft aus 165 Mitgliedern, 
von denen nur sieben Sozialdemokraten waren. Auf 
Grund einer Parteienvereinbarung wurde ein soge- 
nannter provisorischer Gemeinderat gebildet, der sich 
am 3. Dezember 1018 konstituierte. Ihm gehörten 
84 Christlichsoziale, 60 Sozialdemokraten, 19 Deutsch- 
freiheitliche und 2 Deutschnationale an. Dem so zu- 
sammengesetzten Gemeinderat oblag nun die Schaffung 
der neuen Gemeindewahlordnung. Er hatte die Neu- 
wahlen vorzubereiten, die am 4. Mai 1019 stattfanden 
und die der Sozialdemokratie nahezu die Zweidrittel- 
mehrheit brachten. Es erhielten damals von den 
165 Gemeinderatsmandaten die Sozialdemokraten 100, 
die Christlichsozialen 50, die Tschechen 8, die Deutsch- 
nationalen und die Jüdischnationalen je 3 und die 
U’schechen, 30 auf die Deutschnationalen, 17 auf die 
bürgerlichen Demokraten und 9 auf die Jüdisch- 
1ationalen. Diese Mandatszahlen fußten auf 368.533 
sozialdemokratischen, 182.047 christlichsozialen, 57.580 
schechischen, 34.045 deutschnationalen, 20.019 demo- 
kratischen und 13.075 jüdischnationalen Stimmen. Ins- 
zesamt wurden 679.066 Stimmen abgegeben. 
Am 22. Mai I919 hielt der neue Gemeinderat seine 
arste Sitzung ab. Es wurde der langjährige sozial- 
demokratische Gemeinderat Jakob Reumann zum 
Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien gewählt. 
In den damals noch aus 30 Mitgliedern bestehenden 
Stadtrat wurden 10 Sozialdemokraten, 10 Christlich- 
©oziale und I Tscheche gewählt. 
Die neue Verwaltung hatte naturgemäß mit gewal- 
igen Schwierigkeiten zu kämpfen. Vier Jahre Krieg 
und Hungerblockade hatten die Bevölkerung zermürbt.
	        
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