Die Rezension
sonders gefallen; umgekehrt lassen sich ebenfalls solche
Teile, die unter beiden Rücksichten weniger befriedigen,
kurz in zwei anderen Gruppen anmerken. So kann. man
auch originelle Gedanken, schöne Bilder und Vergleiche,
neue Beweisgründe, und anderseits mangelnde Disposition,
Unklarheit in der Ausführung, zweifelhafte und unbewiesene
Behauptungen u. a. ohne Schwierigkeit unter gemeinsamen
Stichworten kurz notieren. Zuweilen mag es sich empfehlen,
noch mehr ins Detail einzugehen und Nachlässigkeiten in
der Zitationsweise, in der Interpunktion und dergleichen
äußeren Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit
nicht unvermerkt zu lassen.
3. Bei dieser Detailarbeit darf aber die Hauptsache für
eine gute Kritik nicht vernachlässigt werden, nämlich die
Prüfung des Ergebnisses und des Ganges der
Untersuchung. Man muß sich ein klares Urteil über
die Aufgabe zu bilden suchen, die sich der Verfasser des
Werkes, gestellt hat; über die Quellen und Hilfs-
mittel, die er zu rate gezogen; über die Weise, wie
er diese Quellen benützt und verwertet; über die Schluß-
folgerungen, zu denen er bei seiner Untersuchung ge-
langt, und die Gründe, mit denen er diese Folgerungen
beweist. Wenn dazu die erste Lektüre nicht genügt, wird
die wiederholte und aufmerksame Prüfung der wichtigsten
Teile in der Regel genügenden Aufschluß geben und zu
einem klaren und begründeten Urteil über den Wert der
Arbeit führen. Man wird daraus auch leicht erkennen, ob
und in welchem Masse das Werk durch eigene, tiefer
dringende und fruchtreiche Arbeit die Erkenntnis des be-
handelten Gegenstandes fördert, oder ob es den früheren
Darstellungen nur eine ‚weitere hinzufügt, ohne etwas
Neues und Wertvolles zu bieten. Daraus ergibt sich dann
yon selbst, welcher Platz dem Werke in der vorhandenen
Literatur anzuweisen ist.
4, Diese Prüfung der Hauptteile darf niemals fehlen.
Hingegen kann es bei großen Werken oft kaum möglich
sein, auch die Einzelprüfung auf alle Teile gleichmäßig
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