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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Fenster hinausgeworfen, was um so bedauerlicher ist, als wir
es hier mit einem doppelt bedauernswerten Stellesuchenden
zu tun haben. Daß er das „50% Kriegsbeschädigter‘“ in den
Vordergrund rückt und in Riesenlettern drucken läßt — oder
war es ein Fehler des Setzers? — zeigt schon eine ganz falsche
Einstellung. Es wird versucht, in erster Linie an das Mitleid
zu appellieren. Im allgemeinen werden offene Stellen aber nicht
unter dem Gesichtspunkt der Barmherzigkeit, sondern nach der
Eignung und Tüchtigkeit des Bewerbers besetzt. Der Suchende
macht nicht die leiseste Andeutung über das Wichtigste: was
der Bewerber alles gelernt hat und was er kann. Durch diesen
Wo wird Geschäftsleiter gesucht:
SYunge, äußerlt tüctige und fähige Kraft, auf
sine gebiegene ANgemeinbildung geftüßt, ein Mann
mit Ideem und Initiative, der dahin gehört,
wo e8 etma8 aufs und auszubauen gibt,
ber gute Srfahrungen Befigt und fid) unter
“chwierigen Berhältniffen durdfegen Tanır
(3. 3. in Hamburg), würde fih gelegentlich,
eventuell 1. 1. 1927, verändern. Hujhriften
erbeten unter „ BNS“ an die Geichäftsitele.
Musterbeispiel 20.
Mangel macht er seinen großgedruckten Mitleidsappell selbst
wirkungslos. Oder glaubte der Betreffende vielleicht, ein viel-
beschäftigter Arbeitgeber werde ihn auf diese unklare Anzeige
hin kommen lassen, um auf diesem umständlichen Wege zu
erfahren, mit was für einem Geisteskind er es zu tun habe?
Die besondere Betonung, daß Kaution gestellt werden könnte,
setzt den Bewerber höchstens der Gefahr aus, einem geriebenen
Kautionsschwindler in die Hände zu fallen.
Musterbeispiel Nr. 22 setze ich an den Schluß dieser Aus-
führungen, weil es mit zu dem Originellsten gehört, was mir
auf dem Gebiete der Stellengesuchs-Anzeige unter die Finger
gekommen ist. Sowohl das Satzbild an sich, das in geschickter
Weise auf „Blickfang‘“ ausgeht, als auch der Text sind
ungewöhnlich. Man könnte vielleicht sagen, daß es fast zu
ungewöhnlich sei, und nicht recht in den Rahmen derartiger
Anzeigen hineinpasse. Das mag für den Durchschnitt zutreffen.