FEUILLETONISTISCHE WERBUNG FÜR EIN GROSSTADT-HOTEL 251
„Sie, Männecken, Sie kommen mit Ihrer Ölkutsche wohl direktemang
aus Kuba, weilse so’n kubistischen Zuschnitt hat?“
Die Begleiterin des Grafen lachte hell auf. Klaus v. Lassen aber feixte
und sagte mit großartiger Handbewegung:
„Sei mir gegrüßt, du mein langentbehrtes Berlin. Kaum gedacht, und
schon wird ein schnoddriger Witz gemacht. Kubistische Ölkutsche ist
glänzend. Nur in Berlin können solche Witze geboren werden.“
„Ich bringe die kubistische Ölkutsche in den Stall und bin in fünf
Minuten zurück. Wolle sie gütigst abwarten, Hella, dann wollen wir in
der Halle Tee trinken.“
„Einverstanden!“ rief die Gräfin dem Fortfahrenden lächelnd nach.
„Erst abwarten, dann Tee trinken.“
Das seltsame Auto war längst verschwunden und noch immer starrte
eine neugierige Menge verzückt auf die wundervolle Prachtfassade des
Mammut-Hotels. Wer vorüber kam, blieb ebenfalls stehen und starrte.
„Was ist denn los?“
‚Ein Dreikäsehoch wußte Bescheid: „Ein Flieger is los. Er wollte
sich uff dem Dach häuslich niederlassen. Aber es war keen Platz nich
da, Es lagen schon zuville Hypokartheken druff,“
„Eine halbe Stunde später saß das Trio, in weiche Klubsessel behaglich
hingekuschelt, in der vornehmen Halle des Mammut. In kostbaren
Schalen dampfte der köstliche Trank aus China, der den Fünfuhrtee
des mondänen Berliner Hauses zu einer Berühmiheit gemacht hat. Auf
silbernen Platten lockten wundervolle Torten und Bäckereien.
„Zum Anbeißen!“ sagte Gräfin Hella mit einem komischen Seufzer.
„Ach, daß ich tausend Zungen hätt“
»Ich werde beantragen, daß die Direktion dieses Gebäck auf den Namen
Gräfin Hella tauft“, warf Klaus v. Lassen schmachtend ein. „Weil beide
zum Anbeißen sind.“
„Und Sie werden künftighin auf die Bank der Spötter verwiesen“, erklärte
die Gräfin. „Außerdem sind Sie ein Streithammel.““
„Oh wehl“ rief Lassen und machte ein unglückliches Gesicht. „Streit
und Hammel? Warum dieses grausame Doppelwort? Den Streit will
ich annehmen, aber den Hammel schenke ich Ihnen. Zur Belohnung
sagen Sie mir dann, was ich eigentlich verbrochen haben soll.“
„Sie widersprachen mir, als ich sagte, der Roman ‚Hotel Gigantik‘
von Felix Philippi sei kein gutes Buch, weil es ein phantastisches Hotel
Schildere, das in Europa einfach unmöglich sei. Ein bißchen Phantasie
Sei auch ganz nett, sagten Sie. Und das sagte der künftige Direktor
eines mondänen Hotels. Es ist rätselhaft.“
Die entzückende junge Gräfin tat empört und schlug mit der geballten
Miniaturfaust auf das Buch, das neben ihrer Teeschale lag. Graf Dux
zündete sich eine Zigarette an, lehnte sich noch tiefer in seinen Sessel
und Jauschte amüsiert dem Streit der Zwei. Lassen schielte auf das Buch
und fragte verblüfft:
G Aber es ist ja gar nicht mehr Philippis Roman ‚Hotel Gigantik‘,
nah Gräfin, der uns bei der kühlen Fahrt fast in Hitze brachte.“ Er
Ei m das Buch in die Hand: „Hm! ‚Ker Ali‘ von F. R. Nord. Hm hm!
iner jener phantastischen Abenteuerromane, die uns in die Wunder-