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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
auf dem Plakat deutlich zum Ausdruck. Es ist, als sähen wir
ein Paar jener internationalen Globetrotter aus unserer Groß-
väterzeit, wie es von der ‚einst weltberühmten „Brühlschen
Terrasse“ aus — sie hat ihre Bedeutung heute nicht mehr —
den wundervollen Blick auf Stadt und nahe Umgebung genießt.
In dem Plakat von Bad Elster ist in anderer Weise „Stim-
mungsmache“ getrieben worden. Es knüpft an den originellen
Namen des Ortes an, indem es eine Elster im Bilde zeigt, und
es weckt dadurch im Beschauer Sehnsucht nach landschaftlich
reizvollen Gegenden, regt zur Flucht aus dem steinernen Meer
der Städte an und weckt die Reiselust.
Das Bild „Germany Invites You‘ ist kein eigentliches Plakat,
sondern das Titelbild einer Werbeschrift in englischer Sprache,
hauptsächlich für Amerika bestimmt, die 31 führende, inter-
nationale Hotels in Baden-Baden, Berlin, Bremen, Köln,
Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover,
Heidelberg, Bad Homburg, Leipzig, München, Bad Nauheim,
Nürnberg und Wiesbaden gemeinsam im Jahre 1925 heraus-
gegeben haben. Das Bild hat eine so starke, plakathafte
Wirkung, daß ich der Versuchung nicht widerstehen konnte,
es den Musterbeispielen von Plakaten beizugesellen. Man
ersieht aus ihm, was für kräftige Wirkungen auch ohne viele
Worte erzielt werden können.
Schließlich sei noch das Titelbild eines Silvester-Menus vom
Hotel Bristol in Berlin erwähnt, weil aus ihm vielseitige
Anregungen zur Schöpfung wirkungsvoller und aparter Plakate
für besondere Veranstaltungen zu gewinnen sind. Für karne-
valistische Feste, Künstlerfeste, Pressefeste oder dergleichen,
Bals pares, wie man in München sagt, sind stimmungsvolle
Plakate nötig. Der Künstler dieser Menukarte hat es verstanden,
solche „Stimmung‘“ zum Ausdruck zu bringen, und der
Beschauer wird zum Besuche lebhaft angeregt. Ich glaube, daß
auch aus diesem Bild mannigfaltige Anregungen zu gewinnen
sind. Der ebenso originelle wie glückliche Gedanke könnte
vielseitig varliert werden.
Über die Plakatentwürfe von Ludwig Hohlwein brauche ich
nichts zu sagen. Er ist ganz einfach „der‘ Meister des Plakats.
Sein Name hat internationalen Ruf, Fast gleichzeitig mit diesem
Buch erscheint ein großes, reich illustriertes Werk, das über
Hohlweins künstlerische Lebensarbeit Aufschluß gibt. Aus
dieses Meisters Werkstatt kommen nur gute Plakate.