EIN KLEINER, ABER FLEISSIGER PROPAGANDIST: DIE ANSICHTSKARTE 425
späteren Jahren durch eine hübsche Ansichtskarte an ein
solches Erlebnis erinnern lassen.
Auch die eigenen Ansichtskarten werden in den Gaststätten
zu den üblichen Tagespreisen verkauft. Das ist schon recht,
aber ich wüßte noch eine andere gute Verwendung. Ich würde
einige schöne Karten in einem hübschen, mit entsprechender
Widmung („Für unsere Gäste“ — „Unseren Gästen gewidmet‘
— „Zur gefälligen Bedienung‘“— oder so ähnlich) versehenen
Umschlag vereinigen und sie allen den Gästen als Angebinde
überreichen lassen, die mindestens 5 Tage bleiben. Natürlich
müßten die Karten an sichtbarer Stelle, aber doch nicht
unvornehm-aufdringlich, die Adresse des Hauses tragen. Jede
an Verwandte oder Freunde oder Bekannte verschickte Karte
ist ein Sendbote, der wirkungsvolle, aber billige Reklame macht.
Wenn die Bedingungen dafür gegeben sind, würde ich sogar
einen Schritt weitergehen und von den Ansichtskarten einen
noch großzügigeren Gebrauch machen, Meine Gäste würden
alles notwendige Schreibmaterial, also Briefpapier, Umschläge
und Ansichtskarten, dazu nicht ausgetrocknetes Tintenfaß und
gebrauchsfähigen Federhalter, entweder in einer hübschen
Schreibmappe oder in einem Fache des Schreibtisches finden.
Aus eigener vielfacher Erfahrung weiß ich, wie dankbar ich
stets jedem Hotel war, das es mir in entgegenkommender Weise
ermöglichte, dringende Korrespondenzen gleich nach der
Ankunft ohne weitere Vorbereitungen oder Schwierigkeiten zu
erledigen.
Stark besuchte gastwirtschaftliche Betriebe, Restaurants,
Kaffeehäuser usw., können diesen Weg natürlich . nicht
beschreiten. Aber sie sollten auf den kleinen Gewinn aus dem
Verkauf ihrer eigenen Ansichtskarten großherzig verzichten
und sie zum Selbstkostenpreis abgeben. Der Erfolg wird ihnen
zeigen, daß das scheinbare kleine Opfer sich lohnt.
Wenig Freude haben mir im Hotel, Restaurant oder sonst
einer Gaststätte verkaufte Ansichtskarten gemacht, wenn sie
Plump, dick und aufdringlich einen großen blauen, roten oder
Schwarzen Gummistempel mit der Geschäftsadresse usw.
trugen. Eine taktvolle Leitung vermeidet solche Entgleisungen.
Zwar ist es aus Gründen der Sauberkeit durchaus richtig, in
den Fremdenzimmern so wenig wie möglich Staubfänger
unterzubringen. Allzukahle Wände, Schreibtische, Konsolen,
Kommoden usw. haben mich aber sehr oft unangenehm