GEMEINSCHAFTSREKLAME DER HOTELS MIT DEM KURORT 91
Reklamegeld wegwirft, wenn es Blätter mit ländlichem Leser-
kreis wählt.
Diese unbedingt nötige individuelle Unterscheidung ist bei
dem ausgesprochenen Kollektivinserat nicht möglich. Das
heißt: möglich wäre sie schon! Ich will also richtiger sagen:
es wurde bisher zu wenig an die Notwendigkeit dieser Unter-
scheidung gedacht. Die Aufmerksamkeit sei deshalb darauf
hingelenkt, weil der Gedanke der gemeinschaftlichen Reklame
durchaus nicht schlecht ist, aber unter falscher Anwendung
leiden müßte.
Man vermeide es deshalb, bei der Kollektivreklame grund-
verschiedene Geschäfte zusammenzuschweißen. Für falsch
und verfehlt halte ich den jetzt oft -geübten Brauch, in dieser
Kollektion alles Mögliche zu vereinigen. Es erscheint mir
richtiger und zweckentsprechender, daß möglichst nur Hotels
und Fremdenheime vereint marschieren, und daß wiederum
die Ladengeschäfte aller Art und die Handwerker sich zu-
sammentun; wenn auch die Anzeige der einen und der anderen
Partei dadurch etwas kieiner wird. An Wirkung verliert sie
schon deshalb nicht, weil sie an Klarheit und Übersichtlichkeit
gewinnt. Wer nach einem Hotel oder Fremdenheim sucht, 1äßt
sich nicht gern durch Modewarenmagazine, Sportartikel-
geschäfte, Photographen, Wurstwarenhandlungen, Konfitüren-
geschäfte, Friseure, Schuhgeschäfte, Bäcker usw. ablenken.
Beim besseren Auseinanderhalten der Firmen ist auch eine
zweckentsprechendere Wahl der Zeitungen möglich. Bisher
pflegte die Verteilung der Kollektivreklame seitens der damit
Beauftragten — gewöhnlich die Kurdirektion oder der Frem-
denverkehrsvereitı — so vor sich zu gehen, daß nur die ohnehin
schon überlaufenen Tageszeitungen und Zeitschriften mit sehr
hohen Auflagen den Auftrag erhielten. Rücksicht darauf, ob
der Leserkreis jener Blätter auch für die einzelnen Teilnehmer
der Kollektivreklame in Frage kam, sprach dabei wohl nur
selten mit, beziehungsweise man dachte nicht daran.
Im Sommer 1926 habe ich zahlreiche Kollektivreklamen mit
kritischen Augen angesehen, und ich habe die Überzeugung
gewonnen, daß hierbei noch mancherlei reformiert werden
könnte. Auch das Satzbild dieser oft sehr umfangreichen
Kollektivanzeigen ließ häufig zu wünschen übrig; wenigstens
hätten bei den aufgewendeten, oft bedeutenden Mitteln durch