Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
damit ebenfalls ihr Nutzen für das Land. Es liegt daher im Interesse 
eines Volkes, seine Kapitalien in diesen verschiedenen Formen, und 
zwar in derselben Reihenfolge, wie Smith sie anführt, angelegt 
zu sehen. Die Landwirtschaft ist vorzuziehen, und dann erst kommen 
die anderen Formen in Betracht, je nachdem die wachsende An 
sammlung von Kapitalien es gestattet. 
Das ist nun gerade, was die sich selbst überlassenen 
Kapitalisten aus eigenem Antriebe tun. Es liegt nämlich 
im Interesse eines jeden, seine Kapitalien in möglichster Nähe seines 
Wohnortes anzulegen, um sie besser überwachen zu können. Er wird 
sie daher erst zu allerletzt im Außenhandel aufs Spiel setzen. Außer 
dem wird jeder Kapitalist unter den, wie dargelegt, vorzuziehenden 
heimischen Industrien zuerst die wählen, ans der der größte Tausch 
wert sich ergibt, da die Größe seines Vorteils von der Größe dieses 
Wertes bestimmt wird. Er wird daher seine Anlage in der soeben 
angeführten Reihenfolge wählen, die mit den mehr oder weniger 
großen Werten, die jede Industrie schafft, übereinstimmt. Und end 
lich wird er, wenn er sich auf den Außenhandel einläßt, aus dem 
gleichen Grunde die weiter oben erwähnte Folge einhalten, d. h. die, 
die am meisten mit dem allgemeinen Nutzen übereinstimmt. So wird 
also das doppelte Bestreben, seine Kapitalien unter Augen zu haben, 
und aus ihnen den größten Gewinn zu ziehen, jeden Kapitalisten 
dazu bringen, sein Kapital in der für das Volk vorteilhaftesten Weise 
anzulegen. 
Dies ist die Beweisführung. Was ist sie wert? 
Auch wenn man die Kriteria Smith’s annimmt, ist es doch klar, 
daß seine Stufenleiter der verschiedenen Industrien durchaus will 
kürlich gewählt ist. Wie kann man z. B. behaupten, daß ein indu 
strielles Unternehmen oder ein Reeder, der fremde Waren trans 
portiert, weniger Leute beschäftigt als eine landwirtschaftliche Gnts- 
verwaltung? Das Gegenteil würde der Wahrheit näher kommen und 
die Landwirtschaft müßte logisch einen bescheideneren Platz ein 
nehmen. Auch läßt sich die Idee, eine solche Stufenleiter aufzustellen, 
nicht gut mit der Theorie der Arbeitsteilung, die die Gleichwertig 
keit der verschiedenen Formen der menschlichen Tätigkeit rühmt, 
in Einklang bringen. 
In Wirklichkeit aber sind die Kriteria Smith’s unannehmbar. Er 
betrachtet das Steigen der tauschharen Werte, die eine Industrie 
liefert, als Beweis, daß sie für die Gesellschaft vorteilhafter ist. Was 
aber beweist dieses Steigen? Einfach, daß die Nachfrage nach einer 
solchen Ware größer ist als die Nachfrage nach einer anderen. Wenn 
die Kapitalien von selbst diesen Industrien zustreben, so wird damit 
nur bewiesen, daß die gesellschaftliche Nachfrage von selbst
	        
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