Full text: Meer und Weltwirtschaft

Schiffahrt, in der Schiffahrtdauer, erheblichen Unterschieden. 
Wohl verstand man mit dem Winde vorwärts zu segeln, die Meeres- 
strömungen zu benutzen, aber gegen den Wind vorwärts zu kom- 
men, gelang erst dem späten Mittelalter. Auch trotz der Erfindung 
des Kompasses und seines Gebrauches in der Nautik und trotz der 
Rumbenkarten *) (Portulankarten) klebte die mittelländische Schiff- 
fahrt noch zu sehr an den. Küsten, und erst der Atlantische 
Ozean führte die völlige Befreiung von der Küsten- 
schiffahrt herbei; der Atlantische Ozean führte zur eigent- 
lichen Hochseefahrt. Erst‘ dieser war es möglich, eine Welt- 
herrschaft zur See anzubahnen, die weiterhin durch den ausgiebigen 
Gebrauch der Dampfschiffe wesentlich gefördert wurde. Erst 
die Dampfschiffahrt hat eigentliche Seevölker ge- 
schaffen; erst die Dampfschiffahrt leitete die Großzügigkeit un- 
serer Gegenwart ein, durch die sich unsere Zeit vor den klein- 
lichen Verhältnissen vorkolumbischer Zeiten auszeichnet. 
Der Vorteil der Dampfer gegenüber den Seglern besteht nicht 
allein in der Bewältigung größerer Transportmengen und darin, 
daß sie weniger von Wind und Wetter abhängig sind, sondern auch 
in dem weit schnelleren und pünktlicheren Verkehr; Zeiterspar- 
nisistzuletztdas Zielaller Schiffsökonomie. Infolge 
der Abwägungen dieser natürlichen Vorteile der Dampfer gegen- 
über den Seglern, die allerdings die billigere Frachtbeförderung 
voraushaben, hat man sich daran gewöhnt, bei der Leistungsfähig- 
keit einer Flotte den Raumgehalt der Dampferflorte mit drei zu 
multiplizieren und dieses Resultat mit dem einfachen Tonnengehalt 
der Segler zu addieren. Diese Auffindung der Summe der „effektiven 
Leistungsfähigkeit‘‘ oder der ‚,Transportleistungsfähigkeit‘‘ einer 
Handelsflotte scheint für die jetzige und kommende Zeit kaum noch 
*) Ueber Rumbenkarten vergl. M. Eckert: Die Kartenwissenschaft Bd. II 
1925 S. 55 ff.
	        
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