Währungstechnische Vorschläge für die Sicherung der Währung.
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Und wenn das Geldamt befugt ist, von den Steuern einen Abstrich zu
gunsten der Steuerzahler zu machen, so ist als Korrelat zu fordern, daß es
auch befugt sein soll, durch Steuerzuschlägc etwaigen Gcldüberschuß dem
Verkehr zu entziehen. Der währungstechnische Mechanismus des Steuerzu
schlages ist derselbe wie beim Stcuerablaß, nur umgekehrt. Die Steuerämter
werden angewiesen, auf alle Reichssteuern einen Währungszuschlag von
10 — 20 oder mehr Prozent zu erheben und das Produkt dieses Zuschlages
dem Geldamt auszuliefern. Das Geldamt verbrennt dieses Geld. Die Steuer
zahler müssen entsprechend dem Steuerzuschlag ihre Einkäufe einschränken.
Der Kanarienvogel, die Nähmaschine, das Reitpferd werden nicht gekauft,-
die Nachfrage geht zurück, und die Preissteigerung wird vermieden.
Es sei hier bemerkt, daß bei einer Baisse die Preise stocken und ein Steuererlaß den meisten
besonders willkommen sein wird, während bei einer Hausse die Geschäfte regelmäßig gut gehen
und der Steuerzuschlag leicht erhoben werden kann.
Diese Methode hat neben dem schon genannten Vorzug der unmittel
baren Wirksamkeit auch noch den, daß sie das Interesse für die Währung
im Volke lebendig erhalten wird. Denn die große Masse denkt nur, so lange
sie gereizt wird, und ein Steuerzuschlag ist ein Reiz, der von jeher mächtig
die Geister in Aufregung verseht hat. Dä erfierliche Bieschlag, dat os et, wat
de Bur hascht. Diese Aufregung wird dem Studium der Währung und das
öffentliche Studium der Währung der Konsolidierung der Währung zu gute
kommen, insofern als die währungspolitische Schulung der Volksmasse die
beste, wenn nicht die einzige Gewähr bietet gegeit die bislang geübte Pfuscherei
und Quacksalberei.
Der wahre Schuh der Währung gegen den staatlichen Mißbrauch liegt nicht im Metall,
km Geldstoff, sondern in der währungspolittschen Schulung der ausschlaggebenden Majorität des
Volkes. Was diese Majorität will, das geschieht. Ist diese Majorität in Währungsangelegen-
hekten auf Leithammel angewiesen (sie ist es leider überall), so geschieht, was die Leithammel
wollen.
Nach den beiden zuerst erwähnten Methoden der Geldverwaltung ge
schieht alles ohne Sang und Klang km Bureau des Geldamtes. Das Volk
würde nur den Erfolg, nicht das „wie" bemerken, und das Interesse für die
ganze Sache würde bald einschlafen. Und es wäre doch so nötig, daß das
Volk en masse wenigstens eine Generation lang sich gründlich mit den
Währungsangelegcnheiten befaßte, damit alle die aus dem Altertum auf uns
überkommenen Vorurteile endlich mal abgeworfen werden und die national-
ökonomische Sprache (ein wahrer Augiasstall) die für eine schnelle und
sichere Verständigung nötige Reinigung erführe.
Keiner der volkstümlichen Ausdrücke, die in der Währungssprache gebraucht werden, kann
als eindeutig angesehen werden.
Gegen die hier vorgeschlagene Währungssteuer wird man vielleicht den
Vorwurf erheben, daß sie das Budgetrecht der Volksvertretung einschränkt.
Dieser Vorwurf ist jedoch ungerechtfertigt. Mit viel mehr Recht könnte man
ihn heute gegen die Emissionsbankpolktik erheben, indem es von dieser Politik
abhängt, welchen materiellen Inhalt (Waren) die von der Volksvertretung
ausgeschriebenen Steuern erhalten sollen. Die Volksvertretung schreibt 100
oder 1000 Millionen an Steuern aus,- aber was das Volk an Waren