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Marsh-Lokomotive. Riggenbachs Lokomotive.
Unter Anlehnung an die Mount Washington Lokomotive vom Jahre 1868 hat
Riggenbach seine bekannte Berglokomotive für die Rigibahn entworfen, sie aber jener
gegenüber wesentlich verbessert. Sie ist in Abb. 231 wiedergegeben. Vorn ist der Gepäck
raum, hinten der Führerstand angebracht. Die beiden Dampfcylinder treiben hier eine
Blindachse an, durch die mittels zweier Zahnradgetriebe die Hintere Radachse mit dem
64 cm großen Hauptzahnrade in langsame Umdrehung versetzt wird. Die vier Laufräder
sitzen lose auf den Achsen, sie dienen nur zum Stützen der Lokomotive, also lediglich zur
Übertragung ihres Gewichtes auf die Schienen. Die Fortbewegung wird allein durch
das in die Zahnstange eingreifende Treibzahnrad veranlaßt. Der Radstand beträgt 3 in,
das Gewicht (dienstbereit) 16 600 kg.
Bei den reinen Zahnradlokomotiven wird die Arbeit der Dampfkolben nicht un
mittelbar auf die Radachsen übermittelt, sondern stets durch eine Zwischenübertragung
232. Lokomotive mit Doppelschniingr der Gornrrgratbahv, 1898. *)
ins Langsame. Dieselbe kann statt durch Zahnradgetriebe — wie bei den Marsh- und
Riggenbachschen Lokomotiven — auch nach Abb. 232 durch einen doppelarmigen oder
nach Abb. 233 durch einen einarmigen Schwinghebel — Abtsche Lokomotiven — be
wirkt werden. Der Dampfkolben gibt dann seine Arbeit an den längeren Hebelarm ab,
während der kürzere Arm sie mittels Lenkstange auf die Treibräder überträgt. Während
somit der erstere einen größeren Weg zurücklegt, vollführt der kurze Hebelarm in der
selben Zeit einen kleineren Ausschlag, bewegt sich alsv langsamer, als der Kolben.
Schwinghebel gestatten größere Geschwindigkeiten, Zahngetriebe arbeiten weniger stoßend.
Wollte man die Dampfarbeit wie bei der Reibungslokomotive unmittelbar aus das
treibende Zahnrad übertragen, so dürften sich die Kolben in den Dampfcylindern nur
langsam bewegen, da der Zahnstangenbetrieb keine hohe Geschwindigkeit verträgt. Zur
*) Diese Lokomotive wurde während der Bauarbeiten am Gornergrat (Zermatt) benutzt
und dient als Ersatz, wenn der elektrische Betrieb versagen sollte.