202
können. In solcher jeden einzelnen beseelenden Hoffnung
verschlägt es dem amerikanischen Arbeiter nichts, daß
weder Staat noch Unternehmertum ihn mit zwangs
weiser oder freiwilliger Fürsorge, mit Wohlfahrtsein
richtungen umgeben haben. Kein Industrieller hat ihn
nach Art der Krupp und Stumm mit Wohnhäusern ver
sehen, keine staatliche Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- oder
Altersversicherung nimmt ihm die Sorge für die Zukunft ab
oder erleichtert sie ihm. Manchmal hat es mir, wenn ich
in Gesprächen mit diesem oder jenem Arbeiter oder An
gestellten von Industriewerken und Verkehrsunternehmungen
auf unser vorbildliches soziales Versorgungswerk hinwies,
fast den Anschein erweckt, als wolle man drüben das alles
schon um deswillen nicht, weil man vermeint, selbst den
Schein bekämpfen zu müssen, als sei man nicht stark genug,
sich aus eigener Kraft vor den Folgen der Krankheit oder
der Erwerbsunfähigkeit zu sichern. Dem amerikanischen
Arbeiter würde vielleicht auch die zugewiesene Wohnung
nicht behagen, und noch deutlicher als seine deutschen Be
rufsgenossen würde er in seinem ausgeprägten und aufrechten
Selbstbewußtsein es empfinden, daß ein derartiger Besitz, so
Angenehmes er auch mit sich bringt, doch zugleich einen
nicht immer willkommenen Druck zum Festhalten an dem
bisherigen Arbeitsverhältnis und seinen manchmal einseitig
festgesetzten Bedingungen in sich schließen kann. Dabei
will der Arbeiter drüben wirtschaftlich sein, um ein eigenes
Haus zu erwerben, es nach seinem Geschmack einzurichten
und auszustatten. Die Höhe des Lohnes gewährt ihm die
Mittel, die selten vom Trunk aufgezehrt werden, und die
Mittel finden gute Verwendung, wenn auch mancherlei Ab
wechslung, die der amerikanische Arbeiter sich selbst bei
Befriedigung täglicher Lebensbedürfnisse leisten zu können
glaubt, dem nur deutsche Verhältnisse Berücksichtigen