‚ Das Phänomen der Konsolidierung von Zahlungsbilanzsalden. 31
mithin sowohl beim Eingehen solcher Geschäfte wie bei der Rückdeckung auf
der Kursstrecke 3—4—5-—6 dieselbe wie die Bremswirkung effektiver Käufe. Eine
Entlastung des Marktes von überschüssigem Material und Wiederzuführung bei
stärkerer Nachfrage bringen sie dagegen nicht unmittelbar zustande, sondern nur
soweit solche Leergeschäfte Diskrepanzen erzeugen und diese Diskrepanzen weni-
ger kühne, mit kleineren Gewinnen zufriedene Hände ihrerseits zu effektiven
Käufen anreizen, aufgrund deren sie Terminware abgeben.
Wer effektiv kauft, ist an die monatliche Begrenzung der Spekulation nicht
gebunden; er wartet solange, bis sich seine Hoffnung realisiert. Die: Leergeschäfte
werden dagegen auf Termin, also per Ultimo ev. Medio abgeschlossen, sodaß
sich die Engagementsdauer nach dem außerhalb der Sache liegenden Kalender statt
danach richtet, ob die erhoffte Kurssteigerung inzwischen eingetroffen ist. Um
dieser starren Begrenzung des Engagements auszuweichen, um also nicht an dem
zufälligen Kalendertermin durch vorzeitige Liquidierung der Hausse-Positionen
den Ast selbst abzusägen, auf den man sich gesetzt hat, kommt auch
für die Devisen-Terminspekulation die Prolongation oder Reportierung!) der Ge-
schäfte ähnlich wie auf dem Effektenmarkt in Frage. Ihr Wesen besteht. kurz
gesagt in folgendem:
Ein englischer Spekulant kauft bei Kurspunkt 2 Mark per Ultimo. Am Ultimo
steht der Kurs erst bei Punkt 3. Würde er jetzt realisieren, also zurückverkaufen,
so hätte er nicht nur einen Verlust, sondern er drückte auch den Kurs noch erheb-
lich herunter durch seine Realisierungsverkäufe, Statt dessen nimmt er die ge-
kauften Beträge effektiv ab, was eine Entlastung des Marktes bedeutet, da dieses
Material num nicht mehr im Markt ist. Das zur Abnahme nötige Geld leiht er
sich von einem englischen Geldgeber, der dafür die betr. Markbeträge (d. s. Forde-
rungen auf Deutschland in irgendeiner juristischen bzw. handelsüblichen Form)
als Pfand übernimmt mit der Verpflichtung, die Markbeträge am nächsten Ultimo
dem Spekulanten wieder zu demselben Preise zurückzuliefern unter Berechnung
einer Reportierungsgebühr, Im nächsten Monat, spätestens kurz vor Ultimo verkauft
der Spekulant die ihm vom Geldgeber zurückzuliefernden Devisen effektiv, wobei
wir voraussetzen, daß der Kurs inzwischen endlich gestiegen ist und bezahlt mit
dem Erlös den Geldgeber. Die Bedeutung für den Markt und in unserem Falle für
die Mark besteht also darin, daß das Engagement auch während des ungünstigen
Standes der Mark durchgehalten wird und nicht durch unzeitige Auflösung stört,
und daß durch die Prolongation effektives Material aus dem Markt genommen,
zum Mindesten gebunden wird. Solche Spekulanten sind mithin sehr freundliche
Helfer Deutschlands.
Von Berlin aus werden ebenfalls Geschäfte der großen Spekulation getätigt,
indem bei Kurspunkt I—11—HI Pfunde nicht gekauft, wie das aller auf kurze
Sicht denkenden Welt beliebt, sondern. verkauft werden, auf Termin oder effektiv.
Das für die englischen Geschäfte Gesagte gilt hier spiegelbildartig in der gleichen
Weise. Auch hier wird, wenn am Termin, also Ultimo oder Medio das Spekulations-
ziel noch nicht erreicht ist, prolongiert, um nicht die eigenen Kreise durch Deckungs-
käufe zu stören. Da sie blanko, leer, ohne Pfunde zu besitzen verkauft haben.
1) Über die hier übliche, 'von dem gewöhnlichen Sprachgebrauch abweichende Termino-
logie der Devisenreportierung s. Walb, Rothschilds Taschenbuch für Kaufleute, Abschn.
Devisenleihgeschäft, a. a. O. S. 349; als allgemeine Quelle s. auch Vogel, Das Devisen-
lemingeschäft, Bank- und finanzwirtschaftl. Abhandlungen, 4. Heft, herausgegeben von Prion,
Verlag Julius Springer, Berlin 1924; die Arbeit befaßt sich zur Hauptsache mit den Ver-
hältnissen während der deutschen Inflation.