Verein für chemische Industrie in Mainz.
381*
In Sailauf (Bayern) ist die Errichtung einer ähnlichen Anstalt im Werk.
Ebenso verschieden wie die Wohnungsfrage mußte auch die Verpflegung geregelt
werden.
ARBEITERSPEISEANSTALTEN. Im Anfang der 70er Jahre hatte die Firma auf ihren
sämtlichen Fabriken Arbeiterspeiseanstalten, die alle, mit einer Ausnahme, nach kurzer
Blüte wegen Mangel an Beteiligung eingegangen sind. Nur auf Friedrichshütte (Hessen)
fand die Veranstaltung Anklang und hat sich nicht nur gehalten, sondern ist geradezu zum
Bedürfnis geworden. Die Arbeiter bekommen für 20 Pf. pro Tag um 8 Uhr und %4 Uhr
Kaffee und um 12 Uhr ein Mittagessen, bestehend aus Suppe, Fleisch, Gemüse oder Hülsenfrüchten.
Die Firma zahlt ebensoviel wie die Arbeiter, d. h. auch 20 Pf. pro Mann und Tag.
Die Herstellung eines kräftigen und schmackhaften Essens zu diesem Preis war natürlich
nur dadurch möglich, daß die Firma alle Nebenkosten, Lokal, Feuerung, Beleuchtung und
Bedienung umsonst stellt und außerdem die Erträgnisse eines großen Gartens gleichfalls
beisteuert. Seit 2 Jahren ist es aber infolge der fortgesetzt steigenden Lebensmittelpreise
nicht mehr möglich, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten. Die Firma
deckt seitdem den Fehlbetrag aus eigenen Mitteln.
Vor kurzem ist eine ähnliche Speiseanstalt auf Fabrik Lorch (Rheingau) wieder ins
Leben gerufen worden.
BIBLIOTHEKEN. Auf verschiedenen Fabriken bestanden Bibliotheken, in denen
die Arbeiter und ihre Angehörigen gute Bücher umsonst entleihen konnten. Alle sind eingegangen
bis auf eine und auch diese wird schwach benutzt.
Zum Schlüsse verdient noch ein Punkt Beachtung, der zwar nicht direkt als eine Veranstaltung
zum Wohle der Arbeiter bezeichnet werden kann, welcher aber ein sehr günstiges
Zeugnis für die Einrichtungen auf den Fabriken und für die Sorgfalt, mit welcher dieselben
geleitet werden, ablegt:
Bei Errichtung der staatlichen Unfallversicherung wurden die Betriebe der Firma in
die Gefahrenklasse 35 eingereiht. Auf Vorschlag der Firma wird diese Einschätzung von
Zeit zu Zeit einer Nachprüfung unterzogen und die Ziffer je nach den wirklich stattgehabten
Unfällen nach oben oder nach unten abgeändert. Infolge der letzten Feststellung sind nun
die Fabriken der Firma statt mit der Zahl 35 mit den Zahlen 4—15, im Durchschnitt mit
8,7 veranlagt.
Die sozialen Bestrebungen der Firma haben wesentlich dazu beigetragen, das bestehende
gute Verhältnis zu Beamten und Arbeitern zu schaffen.