Contents : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Verein  für  chemische  Industrie  in  Mainz.

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In  Sailauf  (Bayern)  ist  die  Errichtung  einer  ähnlichen  Anstalt  im  Werk.
Ebenso  verschieden  wie  die  Wohnungsfrage  mußte  auch  die  Verpflegung  geregelt
werden.
ARBEITERSPEISEANSTALTEN.  Im  Anfang  der  70er  Jahre  hatte  die  Firma  auf  ihren
sämtlichen  Fabriken  Arbeiterspeiseanstalten,  die  alle,  mit  einer  Ausnahme,  nach  kurzer
Blüte  wegen  Mangel  an  Beteiligung  eingegangen  sind.  Nur  auf  Friedrichshütte  (Hessen)
fand  die  Veranstaltung  Anklang  und  hat  sich  nicht  nur  gehalten,  sondern  ist  geradezu  zum
Bedürfnis  geworden.  Die  Arbeiter  bekommen  für  20  Pf.  pro  Tag  um  8  Uhr  und  %4  Uhr
Kaffee  und  um  12  Uhr  ein  Mittagessen,  bestehend  aus  Suppe,  Fleisch,  Gemüse  oder  Hülsenfrüchten. ­
  Die  Firma  zahlt  ebensoviel  wie  die  Arbeiter,  d.  h.  auch  20  Pf.  pro  Mann  und  Tag.
Die  Herstellung  eines  kräftigen  und  schmackhaften  Essens  zu  diesem  Preis  war  natürlich
nur  dadurch  möglich,  daß  die  Firma  alle  Nebenkosten,  Lokal,  Feuerung,  Beleuchtung  und
Bedienung  umsonst  stellt  und  außerdem  die  Erträgnisse  eines  großen  Gartens  gleichfalls
beisteuert.  Seit  2  Jahren  ist  es  aber  infolge  der  fortgesetzt  steigenden  Lebensmittelpreise
nicht  mehr  möglich,  Einnahmen  und  Ausgaben  im  Gleichgewicht  zu  halten.  Die  Firma
deckt  seitdem  den  Fehlbetrag  aus  eigenen  Mitteln.
Vor  kurzem  ist  eine  ähnliche  Speiseanstalt  auf  Fabrik  Lorch  (Rheingau)  wieder  ins
Leben  gerufen  worden.
BIBLIOTHEKEN.  Auf  verschiedenen  Fabriken  bestanden  Bibliotheken,  in  denen
die  Arbeiter  und  ihre  Angehörigen  gute  Bücher  umsonst  entleihen  konnten.  Alle  sind  eingegangen ­
  bis  auf  eine  und  auch  diese  wird  schwach  benutzt.
Zum  Schlüsse  verdient  noch  ein  Punkt  Beachtung,  der  zwar  nicht  direkt  als  eine  Veranstaltung ­
  zum  Wohle  der  Arbeiter  bezeichnet  werden  kann,  welcher  aber  ein  sehr  günstiges
Zeugnis  für  die  Einrichtungen  auf  den  Fabriken  und  für  die  Sorgfalt,  mit  welcher  dieselben
geleitet  werden,  ablegt:
Bei  Errichtung  der  staatlichen  Unfallversicherung  wurden  die  Betriebe  der  Firma  in
die  Gefahrenklasse  35  eingereiht.  Auf  Vorschlag  der  Firma  wird  diese  Einschätzung  von
Zeit  zu  Zeit  einer  Nachprüfung  unterzogen  und  die  Ziffer  je  nach  den  wirklich  stattgehabten
Unfällen  nach  oben  oder  nach  unten  abgeändert.  Infolge  der  letzten  Feststellung  sind  nun
die  Fabriken  der  Firma  statt  mit  der  Zahl  35  mit  den  Zahlen  4—15,  im  Durchschnitt  mit
8,7  veranlagt.
Die  sozialen  Bestrebungen  der  Firma  haben  wesentlich  dazu  beigetragen,  das  bestehende
gute  Verhältnis  zu  Beamten  und  Arbeitern  zu  schaffen.
            
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