Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Verein für Handlungs-Commis von 1858 (Kaufmännischer Verein), Hamburg. 383* 
zuzählen, und weiter zu schildern, wie durch zähe Arbeit 
und eine Aufopferung der Kollegen, wie man sie heute nicht 
mehr oft findet, das zarte Reis zu einem kräftigen Stamme 
emporwuchs. Nur die Meilensteine einer beispiellosen 
Entwicklung sollen hier bezeichnet werden. 
Im Oktober 1887 wurde die 25 000. Stelle besetzt. 
Die 50 000. Vermittlung konnte der Verein im November 
1894 buchen; 75 000 waren es im August 1899 und 100 000 
im November 1903. Immer schneller ging nun die Ent 
wicklung vor sich: 125 000 Besetzungen waren im August 
1907 erreicht, 150 000 im August 1910 und endlich 175 000 
im November 1912. Zur Zeit des Gedenktages, dem dieses 
Buch gewidmet ist, wird der 58 er Verein die 180 000. Stelle 
besetzt haben. 
Im ersten Jahresberichte, den der Verein herausgab, 
konnte, obgleich erst 28 Vermittlungen erzielt worden 
waren, mit Stolz verkündet werden, daß den Mitgliedern 
durch die Tätigkeit des Vereins unter Berücksichtigung 
einer Durchschnittsgebühr von 7 % v. H. des ersten Jahres 
gehaltes 2100 Courant-Mark erspart worden waren, wenn 
man nur ein Durchschnittsgehalt von 1000 Courant-Mark 
(1200 Reichsmark) zugrunde legte. Nach 6 Jahren war die ersparte Summe schon 
auf 15 200 Courant-Mark angewachsen. Wollte man heute dieselbe Berechnungsart zu 
grunde legen und auch das Durchschnittsgehalt trotz der veränderten Verhältnisse nur 
mit 1200 M. annehmen, so ergibt sich die überraschende Tatsache, daß der Verein 
seinen Mitgliedern bisher an Vermittlungsgebühren 16% Millionen Mark er 
spart hat. 
Welchen Umfang die Stellenvermittlung des Vereins im Laufe der Zeit angenommen 
hat, beweist neben der Tatsache, daß im Jahr 1912 10940 Stellen vermittelt werden konnten 
— also an jedem Arbeitstag 36 Stellen — am besten wohl der Umstand, daß allein in Hamburg, 
abgesehen von den zwölf berufsamtlich geleiteten deutschen Geschäftsstellen, 44 Beamte 
und 4 Boten sich lediglich mit der Stellenvermittlung befassen, und daß die Kosten der 
Vermittlungsabteilung, auch wieder die auswärtigen Geschäftsstellen nicht mitgerechnet, 
sich auf 170 000 M. jährlich belaufen. Jede in Hamburg und den Geschäftsstellen ver 
mittelte Stelle erfordert einen Kostenaufwand von rund 25 M.; trotzdem wird weder von 
den auftraggebenden Firmen noch von den sich bewerbenden Mitgliedern eine Ver 
mittlungsgebühr oder Portovorlage erhoben. 
Die Grundsätze, die der Verein bei dem Betriebe seiner Stellenvermittlung beachtet, 
dienen beiden Teilen, dem Prinzipal wie dem Angestellten. Die Handlungsgehilfen werden 
zur Bewerbung nur zugelassen, wenn sie über ihre Laufbahn einwandfreie Zeugnisse vorzu 
weisen vermögen; zum andern schließt der Verein die Tätigkeit für Firmen aus, welche 
iingünstige Arbeitsbedingungen stellen. Rechnet man hierzu noch den Vorteil, den die 
Vermittlungstätigkeit durch Standesgenossen mit langjähriger Schulung bietet, so ist 
zweifellos die Meinung berechtigt, daß die Errichtung öffentlicher Arbeitsnachweise für 
den Beruf des Kaufmanns nicht nur nicht förderlich, sondern schädlich sein muß. Über die 
Entwicklung, welche die Stellenvermittlung des 58 er Vereins im einzelnen in den letzten 
25 Jahren genommen hat, gibt die eingeschaltete Tafel Aufschluß. 
Schon 4 Jahre nach der Gründung erweiterte der Verein sein Arbeitsgebiet durch die 
Schaffung einer 
KRANKEN- UND BEGRÄBNISKASSE. Sie wurde im Jahre 1862 mit lediglich ört 
lichem Wirkungskreise gegründet. Am 1. Juli 1885 wurde sie bei einer Mitgliederzahl von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.