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Kalkulationsbeispiele aus der chemischen Großindustrie.
(Vgl. S. 380 den Hinweis auf die betreffenden Stellen dieses Buches.)
In der chemischen Großindustrie (der Farben, Säuren u. ä.)
spielen die Arbeitslöhne eine untergeordnete Eolle im Verhältnis
zu den übrigen Selbstkosten, insbesondere den Materialkosten. Die
Unterscheidung zwischen Produktiv- und Nichtproduktivarbeitern ist
hinfällig, gelernte Arbeiter (Handwerker für Bau- und Reparatur
arbeiten) sind in der Minderheit. Die in der mechanisch-techno
logischen Industrie üblichen Kalkulationsmethoden können in der
chemisch-technologischen keine Anwendung finden, es sei denn, daß
sich an die chemische Gewinnung der Vorprodukte eine mechanische
Verarbeitung bis zum Endprodukt anschließt, z. B. Verarbeitung
der Rohmasse in der Fabrikation der Nitrozellulose- und des Nitro
glyzerinpulvers, Pressen und Körnen von Schwarzpulver, Spreng
körpern. Doch erscheint es empfehlenswert in solchen Fällen (der
Massenproduktion und der Möglichkeit monatlicher Kostenermitt
lung) mit einem einheitlichen Berechnungsmodus zu arbeiten und
die Kosten auf 100 kg bzw. 1 kg, also auf die Gewichtseinheit um
zurechnen (Divisionsmethode). Hauptsache für diese Industrie ist
eine weitgehende Zerlegung der Unkosten der Herstellung — Material
kosten, Fabrikationskosten, das sind hier Fabrikationslöhne und Be
triebsunkosten, Generalkosten der Zentralverwaltung — getrennt für
Haupt-, Hilfs- und Nebenbetriebe und, soweit erforderlich, für die
einzelnen Zwischenprodukte bzw. Fabrikationsstufen, wie das später
folgende Beispiel der Kostenberechnung für Schwefelsäure es er
kennen läßt.
Ein anderes Beispiel: Für Pikrinsäure kann Benzolsalz oder
Chlorbenzol als Ausgangsprodukt genommen werden, beide Verfahren
sind kalkulatorisch auseinander zu halten. Der ungefähre Weg des
ersten Verfahrens ist: Benzolsalzi, Reinphenol, Pikrinsäure roh aus
Phenol, endlich Pikrinsäure rein.
In der folgenden Kostenberechnung sind die Produkte des eigenen
Betriebes — Reinbenzol, Schwefelsäure, Salpetersäure, S0 3 usw. —
mit dem Verrechnungspreis bzw. Verkaufspreis, die von den fremden
Betrieben eingekauften Säuren mit ihrem Einstandwert frei eigene
Fabrik eingestellt. Kontrolle der Ausbeute, Verrechnung der wieder
gewonnenen Säuren usw. In dem folgenden Beispiel werden die
Zwischenprodukte mit Unkosten belastet, die Generalkosten sowie
der Gewinn jedoch erst auf das Endprodukt geschlagen (S. 84 f).
Die Berechnung bzw. Verteilung der Fäbrifckosten auf die Zwischen
produkte erfolgt nach dem Schema S. 147 f.