wohnen und sich aus derselben Küche wie alle anderen
Bewohner ihres Quartiers zu beköstigen.
„In einem socialistischen Staate,“ so rief letzthin in
einer Wahlversammlung ein junger strebsamer Liberaler
aus, „würden wir alle verpflichtet sein, Kleider nach dem
selben von der Regierung vorgeschriebenen Schnitte zu
tragen I“
— „Aber,“ so unterbrach ihn ein Arbeiter, den in
seiner schlechten Kleidung jener Ausblick nicht gerade
übermässig erschreckt zu haben schien, — „— sind Sie
denn nicht ein überzeugter Anhänger des kostenlosen
weltlichen und obligatorischen Schulunterrichts?“
— „Natürlich!“
— „Na, warum finden Sie es denn so fürchterlich, dass
der Staat den Schnitt unserer Röcke festsetzt, wenn Sie
es für ganz in der Ordnung halten, dass er dem Geiste
unserer Kinder den Schnitt giebt ? Wer fähig und ge
eignet ist, den Unterricht zu leiten, ist auch fähig, Kleidung
und Nahrung zu liefern.“
Auf dieses argumentum ad hominem wusste unser Li
beraler nichts zu entgegnen; aber man wird ohne Zweifel
an seiner Stelle antworten, dass die Allgewalt des Staates
in Sachen des Unterrichts nicht besser wäre als die All
gewalt der Gesellschaft in Sachen der Nahrung oder
Kleidung. Wir sind damit ganz einverstanden und wollen,
ohne uns mit einem Protest gegen die alberne Idee, dass
die Vergesellschaftung der Arbeitsmittel die Bürger zum
Tragen derselben Uniform, zur Benutzung derselben
Schüssel — wie es in der Carmagnole heisst — nötigen
müsste, nur folgendes feststellen: wenn der Collectivismus
die Wirkung haben müsste, die Macht des Bureaukraten-
staates, die Gewalt des Pickelhaubenstaates zu mehren,
wenn er die Polizeischnüffelei in das Privatleben und
den persönlichen Consum hinein beförderte, dann wären
wir die ersten, die sagten, dass es sich wahrlich nicht