durchgreifenden Regelung der internationalen Finanz-
fragen, kurz gesagt, der Kriegsschuldenfragen. Die
Amerikaner wollten sich nicht damit zufriedengeben,
daß jetzt Deutschland zum Zahlen verpflichtet würde,
während die Mächte, an die die deutschen Zahlungen
zu leisten waren, nicht daran dächten, ihren Ver-
pflichtungen gegen Amerika nachzukommen. Sie wur-
den ja sowieso von der Frage der deutschen Zahlungen
hauptsächlich insofern berührt, als diese wieder auf die
Zahlungsfähigkeit und -willigkeit ihrer europäischen
Schuldner zurückwirkten, Sie waren auch überzeugt da-
von, daß Gutachten und Zwangsmaßnahmen allein hier
nichts nützen würden, sondern nur ehrlich Einigung auf
beiden Seiten, und Morgan selbst soll wörtlich ge-
äußert haben, der Erfolg der deutschen Anleihe und
damit des ganzen Sachverständigen-Planes hänge von
der Zusammenarbeit der Alliierten mit Deutschland ab.
Am 27. April 1924 reiste Morgan von Paris ab und
begab sich nach London, verließ aber England bereits
am 30. desselben Monats, um sich nach Amerika ein-
zuschiffen. In London soll er erklärt haben, er habe
überhaupt noch keine Zeit gefunden, sich eingehender
mit der deutschen Anleihe von 800 Millionen Gold-
mark zu beschäftigen, während aus New York die
Meldung kam, sofort nach seinem Eintreffen dort
würden die Vorbereitungen für diese Anleihe be-
ginnen.
Bei all diesen Fragen hatte Morgan Frankreich
gegenüber ein Druckmittel in der Hand, denn seit
kurzem hatte das Zwischenspiel des Sturzes des fran-
zösischen Franken begonnen. Bei den ersten An-
zeichen dieses Sturzes hatten sich die Spekulanten,
die aus den Inflationen in Mitteleuropa profitiert
177
af